Zählerschrank PV-Anlage: Ist Dein Gerät bereit für Solar?

Dominik Broßell
Redakteur

In jedem Haus bildet der Zählerschrank das Zentrum Deiner gesamten Elektrotechnik. Er schützt geeichte Messgeräte vor äußeren Störeinflüssen wie Feuchtigkeit, Verschmutzung oder Erschütterung. Für das Betreiben einer PV-Anlage muss Dein Zählerschrank allerdings einige besondere Anforderungen erfüllen.
In diesem Artikel klären wir, ob Dein Zählerschrank für die Installation einer Solaranlage geeignet ist, welche Voraussetzungen genau erfüllt werden müssen und wie kompliziert die Neuinstallation eines Zählerschranks eigentlich ist.
Wie finde ich heraus, ob mein Zählerschrank für eine PV-Anlage geeignet ist?
Damit Dein Zählerschrank mit einer PV-Anlage vernetzt werden kann, muss das Gerät zunächst gewisse Anforderungen erfüllen. Allerdings können wir gleich Entwarnung geben: Die meisten modernen Zählerschränke sind bereits ab der Installation für den Einsatz mit Photovoltaikanlagen geeignet. Ältere Geräte funktionieren leider nicht immer so zuverlässig und müssen im Zweifel ausgetauscht oder modifiziert werden.
Für die Abrechnung wird heute in der Regel ein Zweirichtungszähler (moderne Messeinrichtung) verbaut. Er erfasst Bezug und Einspeisung getrennt – ein separater Einspeise- und Verbrauchszähler ist damit nicht mehr nötig. Läuft noch ein alter Zähler ohne Rücklaufsperre, wird dieser vom Messstellenbetreiber übergangsweise geduldet und dann automatisch getauscht.
- Dein Zählerschrank sollte mit einem PV-Überspannungsschutz ausgestattet sein.
- Zusätzlich sollte die Schutznorm DIN VDE 0100-712 unbedingt eingehalten werden, was unter anderem das Anbringen von Hinweisschildern für die PV-Anlage am Zählerschrank einschließt.
Wie sollte ein Zählerschrank für eine PV-Anlage aufgebaut sein?
Wenn Dein Zählerschrank über alle wichtigen Bestandteile verfügt, um Deine Photovoltaikanlage zu unterstützen, bist Du in den meisten Fällen auf der sicheren Seite. Du solltest allerdings auch überprüfen, ob das Gerät die Installationsanforderungen im Zusammenhang mit PV-Anlagen erfüllt:
Zunächst sollten Zählerschränke in einer Höhe zwischen 1,10 m und 1,80 m angebracht werden, um eine problemlose Wartung und Nutzung zu gewährleisten. Der Abstand vom Boden bis zum Ablesefenster sollte zwischen 0,80 m und 1,80 m liegen.
Vor dem Zählerschrank sollte eine Freifläche von mindestens 1,20 m Tiefe mal 1,80 m Höhe gelassen werden. Der Einbau eines Zählerschranks direkt unter Gas- oder Wasserleitungen ist nicht zulässig, das gilt in der Regel übrigens auch für andere elektrische Komponenten wie Batteriespeicher.

Hier siehst Du den Aufbau eines Zählerkastens im Detail:
Zählerfeld (ZF): Das Zählerfeld bietet Platz für Messgeräte wie den elektronischen Haushaltszähler (eHz) und muss 450 mm hoch sein. Bei größeren Anlagen ist Platz für die Steuerungstechnik des Netzbetreibers vorzusehen. Die frühere Rundsteuerempfänger-Pflicht wird dabei zunehmend durch das Smart-Meter-Gateway bzw. die Steuerung nach § 14a EnWG abgelöst. Für typische Heim-PV-Anlagen (unter 25 kWp) ist das meist kein Thema.
Raum für Zusatzanwendungen (RfZ): Dieser 150 mm hohe Bereich ist für die Installation von Betriebsmitteln des Netzbetreibers, wie Smart Metern oder I/O Boxen, vorgesehen.
Anlagenseitiger bzw. oberer Anschlussraum (AAR oder OAR): Der AAR/OAR mit einer Höhe von 300 mm bietet Platz für Komponenten wie Hauptleitungsabzweigklemmen, Hauptschalter, Freigaberelais, HAN-Schnittstellen, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Selektive Leitungsschutz- und Lasttrennschalter sowie dem Überspannungsschutz (SPD).
Netzseitiger bzw. unterer Anschlussraum (NAR oder UAR): Der NAR/UAR, ebenfalls 300 mm hoch, sollte ein 5-poliges Sammelschienensystem beinhalten und mit einem selektiven Leitungsschutzschalter als Trennvorrichtung ausgestattet sein.
Abschlusspunkt Zählerplatz (APZ): Mit einer Mindesthöhe von 300 mm dient der APZ als Verbindungspunkt zwischen dem Hausübergabepunkt (HÜP) und dem Zählerplatz.
Verteilerfeld: Das Verteilerfeld besteht aus mindestens drei Reihen mit jeweils 12 Teilungseinheiten und ist für die Aufnahme von Installationseinbaugeräten vorgesehen.

Wie finde ich einen neuen Zählerschrank, wenn mein alter nicht für eine PV-Anlage geeignet ist?
Ein Zählerschrank, der nicht den aktuellen Standards entspricht, muss nicht zwangsläufig ausgetauscht werden. Ein älteres analoges Gerät kann häufig für die Nutzung einer Photovoltaikanlage umgerüstet werden.
Sollte der vorhandene Zählerschrank allerdings nicht für eine Modernisierung geeignet oder zu klein sein, muss ein neuer Zählerkasten installiert werden. Die Dimensionen dieses neuen Zählerkastens hängen sowohl von der Größe der Photovoltaikanlage als auch von der Menge des eingespeisten Stroms ab.
Generell ist ein analoger Zählerschrank also kein Ausschlusskriterium für eine PV-Anlage. Viele Solarfirmen berücksichtigen die Kosten für einen neuen Zählerschrank direkt in ihren Angeboten. Teilweise stellen einige Unternehmen aber auch spezifische Anforderungen an den Zählerschrank, bevor sie ein Angebot unterbreiten. Informiere Dich deshalb am besten bei einer Elektrofachkraft vor Ort, bevor Du Dich für ein PV-Angebot entscheidest.
Fazit: Dein Zählerschrank sollte kein Hindernis für eine neue PV-Anlage sein.
Bevor Du eine größere Solaranlage auf dem Dach installierst, ist eine gründliche Überprüfung Deiner Hauselektronik immer sinnvoll, dazu gehört auch eine Begutachtung des Zählerschranks.
Die meisten modernen Geräte sind im Normalfall bereits für die Nutzung von PV-Anlagen ausgelegt. Ältere Zähler lassen sich häufig ohne allzu großen Aufwand modifizieren. Trotzdem gibt es immer wieder Angebote von Solateurfirmen, die den Zählerschrank unnötig austauschen wollen.
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