Solarenergie in Deutschland: So steht es um den PV-Markt

Author's iconLukas Hoffmeier
PV-Markt
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Immer wieder wird betont, dass Deutschland die fossil-nuklearen Energieträger hinter sich lässt. Doch dieses Ziel steht auf wackligen Beinen, denn vor allem die Potenziale der Photovoltaik müssen besser genutzt werden, um das Ziel der Energiewende bis 2050 wirklich zu erreichen. Die Bundesregierung legt im Erneuerbare-Energien-Gesetz (kurz: EEG) einen relativ langsamen PV-Zubau von künftig 5 GW pro Jahr fest. Zu wenig finden wir, wenn man sich die großen Potenziale von Solarenergie in Deutschland vor Augen führt.

Photovoltaik in Deutschland: Ein Meilenstein der erneuerbaren Energien – das Aachener Modell

In der Photovoltaik-Branche kennt es jeder: das Aachener Vergütungsmodell. Du hast noch nie davon gehört? Dann hier ein kurzer Exkurs: Im Dezember 1991 wurde bei der Stadt Aachen ein Bürgerantrag zur Einführung einer kostendeckenden Einspeisevergütung für Elektrizität aus Wind- und Solaranlagen gestellt. Dieser Antrag war die Idee des Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. und stellte sich als Markteinführungsinstrument für erneuerbare Energien heraus.

Gemäß dem Antrag wurde Folgendes gefordert: Die erneuerbaren Energieträger müssen gleichberechtigter und bevorzugter Bestandteil des Elektrizitätsversorgungssystems werden. Deshalb sind die Stromerzeugungskosten vom Endverbraucher zu tragen. So sollen BetreiberInnen einer entsprechenden Elektrizitätserzeugungsanlage die Anschaffung und den Betrieb der Anlage grundsätzlich durch den Stromverkauf, das heißt durch eine kostendeckende Einspeisevergütung, finanzieren können.

Soweit so gut. Jetzt ist es interessant zu wissen, welches System vorher integriert war. Damals war es so, dass lediglich der Bau einer Solaranlage bezuschusst wurde. Die Energieversorgungsunternehmen haben die Einspeisung von Solarstrom ins öffentliche Netz folglich nicht vergütet. Entsprechend schlecht stand es um die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik in Deutschland.

Das Aachener Modell wurde trotz Widerstand vonseiten des Aachener Energieversorgers STAWAG über die Zeit von über vierzig Kommunen übernommen. Die Erfahrungen mit dem Instrument der kostendeckenden Vergütung bildeten später die Vorlage für das heute bekannte Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die durch den BürgerInnenantrag angeregte Kostendegression führte letztlich dazu, dass eine Solaranlage nur noch 1/10 von dem damaligen Preis kostete. Auf dieser Basis verbreitete sich die Photovoltaik-Technologie erfolgreich in Ländern auf der ganzen Welt. Heute werden immer mehr Potenziale genutzt: auf (Gewerbe-)Dächern, Einfamilienhäusern, Fassaden, Ackerflächen und schließlich auch auf Balkonen.

2 Millionen PV-Anlagen in Deutschland

Die Potenziale der Photovoltaik in Deutschland sind uns bei priwatt ein Herzensanliegen. Denn das Zubauniveau von Solaranlagen könnte viel höher und vor allem schneller sein als aktuell eingeschlagen. Warum? Weil Klimaschutzmaßnahmen schnell umgesetzt werden müssen und sich Photovoltaik-Anlagen für jeden und jede lohnen können – im kleinen und großen Stil.

Bis heute wurden insgesamt ca. 2 Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland installiert; jede zweite installierte Photovoltaik sogar mit Energiespeicher. So decken alle deutschen Anlagen mit einer Solarstromerzeugung von 50 TWh (Terawattstunden) insgesamt 9,3% des Brutto-Stromverbrauchs in Deutschland. An sonnigen Tagen erzeugen diese erneuerbaren Energien mithilfe von Solarenergie zeitweise über zwei Drittel unseres momentanen Stromverbrauchs. Klingt vielversprechend – ist es auch!

Solarenergie in Deutschland: Landwirtschaft und Natur blühen auf!

Momentan ist der Anteil der erzeugten Energie aus Wind mit 56 GW (Gigawatt) installierter Leistung (Stand: 2017) höher als der von Solarenergie aus Photovoltaik-Anlagen. Doch der Windenergie-Ausbau stößt auf Hindernisse: So passiert es nicht selten, dass Vögel durch die Rotorblätter der Windkraftanlagen zu Tode kommen oder die Anlagen von AnwohnerInnen nicht akzeptiert werden. Darüber hinaus verlangsamen die Probleme in puncto Wirtschaftlichkeit die Zubauzahlen von Windkraftanlagen in Deutschland. 

An den Orten, an denen Windkraftanlagen nicht infrage kommen oder unerwünscht sind, knüpft der PV-Markt an. Das zeigt sich insbesondere im Bereich der Agrarphotovoltaik. Hier werden Stromerzeugung aus Solarenergie, Landwirtschaft und Erhalt der Artenvielfalt immer häufiger kombiniert. Rund um die Strahlungsenergie nutzenden Solarzellen wachsen Weinreben, Getreide sowie Obst- und Gemüsebäume. Zwar verringert sich aufgrund der Flächeneinbußen die Ernte, aber der Hof profitiert von günstigem Solarstrom und Einspeisevergütungen. Ein grünes Energiesystem der Zukunft, das in der Praxis schon heute funktioniert.

Hinweis: Windkraft und Solarenergie – in Kombination mit weiteren erneuerbaren Energien – sind Schlüsseltechnologien zur Erreichung der Klimaziele. Es geht zukünftig also weniger um die Konkurrenz, sondern mehr um die Ergänzung und Vernetzung erneuerbarer Energien.

Zubau im PV Sektor: Was hält die Zukunft bereit?

Neben der Energiewende ist die Digitalisierung das große Projekt der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Mit der Digitalisierung des Straßenverkehrs und der E-Mobilität wird immer mehr Strom in den Städten benötigt. Parallel darf diese elektrische Energie keine CO2-Emissionen erzeugen, um die Umwelt und folglich uns selbst zu schützen. Um diesen Spagat erfolgreich umzusetzen, bietet sich keine bessere Energiequelle an als die Sonne.

Während sich Windräder wohl kaum in Innenstädten um die Straßen herum bauen lassen, weil die Akzeptanz und der Platz hierfür fehlen, sind die Ausgangsbedingungen beim Photovoltaik-Zubau anders: Da sich Solaranlagen flexibel platzieren lassen und nur wenig Raum einfordern, ist das Potenzial für den Ausbau von Solarstrom groß.

Solarenergie Deutschland: 1 Million Balkonkraftwerke allein in NRW

Mit Mini-PV-Anlagen kann jeder an der Energiewende teilnehmen, auch wenn kein großflächiges Dach auf einem Einfamilienhaus verfügbar ist. Die kleinen Photovoltaikanlagen setzen sich meist aus ein oder zwei Modulen zusammen und erzeugen dank der Umwandlung von Sonnenlicht nutzbaren Strom. Sie lassen sich als Balkonkraftwerke nutzen, auf freien Flächen im Garten aufstellen oder an der Hausfassade bzw. einem anderen sinnvollen Ort wie der Abdeckung einer Mülltonne montieren. 

Mini-Photovoltaikanlagen benötigen weitaus weniger Platz und Budget als Anlagen mit einer großen installierten Leistung. Dennoch bewähren sich diese PV-Systeme nach und nach, weil sie einfach zu installieren und trotzdem wirtschaftlich sind. Denn durch den privaten Zubau lässt sich der hauseigene Stromverbrauch zu einem Teil decken. Das bewirkt über das Jahr pro Modul Stromkostenersparnisse von ca. 100 €.

Übrigens: In unserem Beitrag über Balkonkraftwerke-Kosten informieren wir Dich über die Amortisationsdauer einer Mini-PV-Anlage. Hier erfährst Du mehr darüber, ob sich bei Interesse der Kauf einer Mini-PV-Anlage lohnt.

Was das Potenzial der kleinen Solaranlagen zur Stromerzeugung angeht? Die Verbraucherzentrale NRW spricht von einem prognostizierten Ausbau in Höhe von 1 Million Mini-Solaranlagen – nur innerhalb dieses Bundeslandes. Du siehst, wie fundamental dieser Baustein für eine grüne Zukunft ist. Schließlich benötigen die Haushalte der Zukunft mehr Strom für das E-Fahrzeug oder die Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung und Heizung. Entsprechend bringt uns PV-Zubau mit jeder Solarzelle und jeder Wattstunde elektrische Energie Schritt für Schritt in eine nachhaltige Zukunft.

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Lukas HoffmeierGründer & CEO von Priwatt

Ingenieur für Erneuerbare Energien (M.Sc) und ausgebildeter Energieberater, der durch seine Erfahrung in der Energie- und Solarwirtschaft viel Wissen mitbringt, um als Überzeugungstäter die Energiewende voranzutreiben.

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