Mini Solaranlagen Vergleich: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk finanziell?

Author's iconSophia Reker
Wirtschaftlichkeit
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Mini Solaranlagen sind gut für die Umwelt und schonen den Geldbeutel. Der positive Beitrag für das Klima ist unbestritten, doch wie groß ist der finanzielle Nutzen? Wir haben verschiedene Balkonkraftwerke Sets mit verschiedenen Ausrichtungen verglichen und geben Aufschluss, wie schnell sich eine Mini-Solaranlagen rechnet und welche erstaunlichen Renditen möglich sind.

Montageort und Setinhalt

Balkonkraftwerke können an verschiedenen Aufstellorten montiert werden. Die Himmelsausrichtung und der Winkel der Module beeinflussen dabei den Ertrag. Wir vergleichen daher typische Balkonkraftwerksets in verschiedenen Himmelsausrichtungen und treffen eine Aussage über die Jahresproduktion und die mögliche Amortisationsdauer.

Grundsätzlich lassen sich Balkonkraftwerke nahezu überall aufstellen, wie z.B. am Balkon, der Fassade, auf einem Flach oder einem geneigten Dach, sowie im einfach zugänglichen Garten. Ebenso sind exotische Orte als Gartenzaun oder Tisch, sowie als Mülltonnenabdeckung möglich, Grenzen gibt es keine. Doch alle Standorte können durch die verschiedene Himmelsausrichtung und Kosten für die jeweilige Befestigung abweichen.

Himmelsausrichtung und Neigung beeinflussen der Ertrag

Eine Ausrichtung des Balkonkraftwerkes Richtung Süden bringt den höchsten Ertrag, da im Tagesverlauf die meisten Sonnenstrahlen “gesammelt” werden können. So wurden lange Zeit auch die meisten Solaranlagen ausgerichtet, weil es für jede eingespeiste Kilowattstunde einen festen Betrag gibt. Doch nun werden ebenso Solaranlagen mit einer West- oder Ostausrichtung gebaut, welche den Strom primär direkt vor Ort verbrauchen können. Genau dasselbe Ziel wird auch mit einem Balkonkraftwerk verfolgt – möglichst viel Strom direkt vor Ort zu verbrauchen. Mit einer Ostausrichtung wird in den Morgenstunden mehr Strom produziert, bei einer Westausrichtung in den Abendstunden, der jeweils entsprechend besser zum Haushaltsverbrauch passt.

Neben der Himmelsausrichtung spielt die Neigung der Module eine Rolle. Den höchsten Ertrag wird bei einer Südausrichtung mit einer Neigung von 30 – 35° erreicht. Jedoch ist ebenso eine steilere Aufstellung möglich, da diese den Vorteil bietet, dass in den Wintermonaten mit tiefen Sonnenstand ein höherer Ertrag erzielt wird. Der höchstmögliche Ertrag wird erzielt, wenn das Solarmodul und die Sonne senkrecht zueinander stehen. Bei einer West- oder Ostausrichtung ist der Jahresertrag jedoch umso höher umso flacher die Module aufgestellt sind (Mehr Sonnenstrahlen aus Richtung Süden erreichen dann das Modul).

Der Vergleich

Wir vergleichen ein Basic Paket ohne Befestigung, ein Balkonset, sowie ein Set für die Fassade und für den Garten oder ein Flachdach miteinander. Zusätzlich ist im Paket ein 5m Kabel für eine Schuko oder Wielandsteckdose dabei. Zudem unterscheiden wir zwischen einem Paket mit einem Modul (325W) und zwei Modulen (650W).

Differenziert wird zwischen einer West, Süd und Ostausrichtung, die sich im Jahresertrag unterscheiden.

Als Referenzort dient die Stadt Potsdam, die durch durchschnittliche Einstrahlungswerte häufig auch als Referenzstandort in der Wissenschaft herangezogen wird.

Das leichte Balkonset – senkrecht montiert

  • Modul ohne Glas, speziell geeignet für Balkone (sehr leicht)
  • geeigneter Wechselrichter
  • inkl. Balkonbefestigung
  • 5m Kabel auf Schuko- oder Wielandstecker
  • Kosten 1/2 Modul(e): 509 / 889 Euro

Basic Mini-Solaranlagenset im 40° Winkel

  • Glas-Folien Modul
  • geeigneter Wechselrichter
  • 5m Kabel auf Schuko- oder Wielandstecker
  • Halterung in Eigenleistung
  • Kosten 1/2 Modul(e): 409 / 679 Euro

Montageset für den Garten oder Flachdach im 20° Winkel

  • Glas-Folien Modul
  • geeigneter Wechselrichter
  • 5m Kabel auf Schuko- oder Wielandstecker
  • Halterung geeignet für die Aufstellung auf flachem Untergrund
  • Kosten 1/2 Modul(e): 429 / 739 Euro

Montageset für die Fassade im 45° Winkel

  • Glas-Folien Modul
  • geeigneter Wechselrichter
  • 5m Kabel auf Schuko- oder Wielandstecker
  • Halterung geeignet für die Montage an der Fassade
  • Kosten 1/2 Modul(e): 459/789 Euro

Hinweis: In einigen Bundesländern, Kommunen und Städte gibt es Zuschusse für Balkonkraftwerke. Eine Prüfung im Vorfeld lohnt sich, da häufig ein derartiger Zuschuss vor dem Kauf beantragt werden muss.

Eine Mini Solaranlage rechnet sich!

Bereits nach ungefähr 4,5 bis 5,5 Jahren hat sich bei vollständigem Eigenverbrauch des erzeugten Stroms ein Balkonkraftwerk refinanziert. Angenommen es wird Netzstrom substituiert, der im Durchschnitt über die kommenden Jahre 30 ct / kWh kostet.

Lediglich bei superleichten, flexiblen Balkonmodulen verlängert sich die Amortisationsdauer durch den geringeren Jahresertrag und den höheren Kosten für das teurere, flexible Modul um 5 Jahre.

Hinweis: An Balkonen, die unterlaufen oder die Moduloberkante höher als 4m ist sind keine üblichen Glas-Folien Module zugelassen, sodass die teurere bauaufsichtlich zugelassene Glas-Glas-Module oder Module gänzlich ohne Glas zum zum Einsatz kommen.

Bei einer erwarteten Lebensdauer, sowie einer Leistungsgarantie der Module von 25 Jahren fällt jedoch die längere Amortisationsdauer nur bedingt ins Gewicht.

Der Jahresertrag bewegt sich je nach Ausrichtung und Modulneigung zwischen 200 und 350 kWh bei einem 325W Modul. Grundsätzlich zeigt sich jedoch, dass es nicht zwingend eine Südausrichtung sein muss, sondern auch eine West oder Ostausrichtung in Ordnung ist.

Handelt es sich um einen Haushalt mit einem Verbrauch von mehr als 2000 kWh empfiehlt es sich zudem zwei 2 Module anzuschaffen. Die Amortisationsdauer verkürzt sich bei vollständigem Eigenverbrauch im Vergleich zu einem Modul im Durchschnitt auf 3,5 – 4,5 Jahren, was einer Rendite von fast 30% gleichkommt. Ebenso die flexiblen Module am Balkon rechnen sich bei 2 Modulen bereits nach 7 Jahren.

Insgesamt muss fairerweise jedoch gesagt werden, dass es höchstwahrscheinlich nie so sein wird, dass ausschließlich der Strom im Haushalt verbraucht wird. Eine Simulation der Hochschule Rosenheim hat gezeigt, dass je nach Haushaltsgröße Eigenverbrauchsquoten von 72 – 97 % am Beispiel einer 250W Mini-Solaranlage erreicht werden können. Ähnliches wird sich auch bei einer Anlage mit 2 Modulen einstellen, sodass diese Eigenverbrauchsquoten, in Abhängigkeit des Stromverbrauches und des Verhaltens auch unter den zuvor genannten Eigenverbrauchsquoten liegen können.

Nichtsdestotrotz können sich die Amortisationszeiten und die möglichen Renditen sehen lassen, die aktuell so von keiner Bank gezahlt werden.

Neben dem monetären gibt es für so eine derartige Investition noch einen zweiten Gewinner, nämlich der Umwelt. Die freut sich nämlich auch, unabhängig davon, ob der Strom zu 100% im Haushalt verbraucht wird oder nicht. Spätestens der nächstgelegene Nachbar wird ihn nämlich, statt Kohlestrom verbrauchen!

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