Wie kann ich die Schneelast berechnen?

Dominik Broßell
Redakteur

Schneebedeckte Dächer sind im Winter ein idyllischer Anblick, für Deine Photovoltaik-Anlage aber auch eine Herausforderung. Eine zu hohe Schneelast kann nicht nur Deine Module beschädigen, sondern auch Dachziegel oder -fenster. Mit der richtigen Planung und ein paar cleveren Maßnahmen vermeidest Du Schäden und erzielst trotzdem ordentliche Winter-Erträge.
Was ist die Schneelast und wie wirkt sie?
Die Schneelast wird bei der Planung von Dächern und Photovoltaik-Anlagen häufig unterschätzt. Im schlimmsten Fall kann sie die Dachkonstruktion überlasten und große Schäden verursachen.
Entscheidend sind dabei vor allem die Dachform und die Art des Schnees: Auf Flachdächern sammelt sich mehr Schnee an als auf Schrägdächern, weil er dort nicht abrutscht, die Last ist also höher. Und nasser Schnee ist deutlich schwerer als Pulverschnee. Rechtsgrundlage für die Berechnung ist die Norm DIN EN 1991-1-3 (Eurocode 1).
So berechnest Du die Schneelast an Deinem Standort
Schritt 1: Ermittle Deine Schneelastzone
Zuerst brauchst Du die Schneelastzone Deines Standorts. In Deutschland gibt es fünf Zonen: 1, 1a, 2, 2a und 3. Kleinere Zahlen bedeuten geringere Schneelast; der Zusatz „a" steht für eine um rund 25 % erhöhte Schneelast gegenüber der jeweiligen Zone ohne Buchstaben.
Jede Zone hat eine charakteristische Grund-Schneelast (Sockelwert), die bis zur angegebenen Höhe über dem Meeresspiegel gilt:
| Schneelastzone | Schneelast | max. Höhe (Gültigkeit) |
|---|---|---|
| 1 | 0,65 kN/m² | 400 m |
| 1a | 0,81 kN/m² | 400 m |
| 2 | 0,85 kN/m² | 285 m |
| 2a | 1,06 kN/m² | 285 m |
| 3 | 1,10 kN/m² | 255 m |
Die Schneelast wird in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) oder Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) angegeben. Dabei gilt: 1 kN/m² entspricht etwa 101,97 kg/m². Die Tragfähigkeit Deines Daches kannst Du dem Standsicherheitsnachweis des Gebäudes entnehmen.
Schritt 2: Berücksichtige die Art des Schnees
Die Last hängt nicht nur von der Menge, sondern auch von der Dichte des Schnees ab. Neuschnee hat eine mittlere Dichte von etwa 100 kg/m³, trockener Altschnee rund 300 kg/m³.
Die Schneelast berechnest Du mit:
- mittlere Dichte × Schneehöhe in Metern
- Beispiel: 10 cm Neuschnee ergeben 100 × 0,1 = 10 kg/m².
Unsere Balkonkraftwerke liefern übrigens auch im Winter gute Erträge, weil sie bifazial arbeiten: Sie nutzen zusätzlich das reflektierte Licht auf der Modulrückseite. Bei einer weißen Schneedecke steigt diese Rückstrahlkraft (Albedo) deutlich, so deckst Du auch im Winter einen guten Teil Deines Bedarfs.

Schritt 3: Berechne die Schneelast für Deine Dachform
Auf dem Dach verhält sich die Schneelast je nach Dachform unterschiedlich. Es gibt eigene Formeln für Flach-, Pult-, geneigte und Tonnendächer. Wir beschränken uns hier auf eine vereinfachte Näherung; für eine präzise Berechnung zieh bitte eine Fachkraft hinzu.
Der Formbeiwert richtet sich nach der Dachneigung (α). Ab 60° wird eine Schneelast von 0 kN/m² angenommen, weil der Schnee abrutscht:
- α ≤ 30°: Sk(Dach) = Sk(Boden) × 0,8
- 30° < α ≤ 60°: Sk(Dach) = Sk(Boden) × [0,8 × (60° − α) / 30°]
- α > 60°: Sk(Dach) = 0 kN/m²

Maßnahmen gegen übermäßige Schneelast
Hersteller geben die maximale Schneelast der Module im Datenblatt an, meist 2.400 Pascal (entspricht 2,4 kN/m²). Das reicht für die meisten Schneelastzonen in Deutschland locker aus. Da im Standard-Prüfverfahren nicht über 2.400 Pa getestet wird, halten viele Module in der Praxis sogar noch mehr aus.
Trotzdem gilt:
- Module mit widerstandsfähigem Glas und stabilem Rahmen sind besser gegen Schneelast geschützt als rahmenlose Varianten.
- Wenn Du die Module gut und sicher erreichst, lohnt es sich, sie bei dichter Schneedecke zu befreien – denn geschlossener Schnee verhindert jeden Ertrag. Achte dabei unbedingt auf Deine eigene Sicherheit und die der Module (keine riskanten Kletteraktionen, kein heißes Wasser).
Unsere Mini-Solaranlagen sind doppelt verglast und dadurch besonders widerstandsfähig, so bist Du auch in schneereichen Regionen gut vorbereitet.
Lasten-Überlagerung bei Schnee und Wind
Die einfache Addition der einzelnen Lasten aus Wind, Schnee und Eigengewicht führt zu unrealistischen statischen Annahmen. Deshalb werden die äußeren Lasten und das Eigengewicht unter Einbeziehung von Teilsicherheits- und Kombinationsbeiwerten überlagert.
Geregelt wird das durch den Eurocode 0 (DIN EN 1990, „Grundlagen der Tragwerksplanung"). Die Konstruktion muss den resultierenden Lastfallkombinationen in Bezug auf Tragfähigkeit und Standsicherheit standhalten. Auch nötige Maßnahmen zur Beschwerung lassen sich daraus ableiten.
Wie Du Windlasten berechnest, erfährst Du in unserem Beitrag dazu.
Fazit: Schneelast berechnen lohnt sich
Die Schneelast ist ein oft unterschätzter Faktor, der regional stark schwankt. Gerade bei Dächern in schneereichen Gebieten solltest Du die Statik genau prüfen, um Schäden oder Einstürze zu vermeiden. Mit der richtigen Planung und robusten Materialien sorgst Du problemlos für Sicherheit.
Für kleinere private Anlagen reicht es meist, auf stabile, doppelt verglaste Module wie die von priwatt zu setzen, so erzeugst Du auch bei winterlichen Bedingungen sorgenfrei Solarstrom.