TOPCon-Solarzellen und PERC-Solarzellen: Wo liegen die Unterschiede?

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Chris

PV-TechnikLesezeit 10 Minuten
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TOPCon-Solarzellen sind längst kein Nischenthema mehr – sie sind der neue Marktstandard. Was vor wenigen Jahren noch als vielversprechende Zukunftstechnologie galt, steckt heute in den meisten neuen Solarmodulen, auch in unseren Balkonkraftwerken, in denen TOPCon-Zellen für maximale Stromerzeugung sorgen. Damit haben TOPCon-Zellen die lange dominierenden PERC-Solarzellen (Passivated Emitter and Rear Cell) inzwischen überholt.

Doch worin unterscheiden sich die beiden Technologien eigentlich genau, und was bedeutet der Wechsel für Dich als BesitzerIn einer Solaranlage?

TOPCon hat PERC den Rang abgelaufen

Die TOPCon-Zellarchitektur wurde bereits 2013 von ForscherInnen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg entwickelt. Doch es vergingen einige Jahre, bis die ersten TOPCon-Module in Serie gingen, und noch ein paar mehr, bis sie den Massenmarkt eroberten.

Lange Zeit dominierten PERC-Zellen den Markt, bis 2023 mit über 80 % Marktanteil. Und das aus gutem Grund: PERC hat mono- und polykristalline Module spürbar verbessert, liefert auch bei schwachem und diffusem Licht ordentliche Erträge und blieb dabei günstig in der Produktion. PERC hatte großen Anteil daran, dass die Beliebtheit von Solaranlagen, gerade kompakter Stecker-Solaranlagen bzw. Balkonkraftwerke, regelrecht explodierte.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Laut der ITRPV-Roadmap 2025 hat TOPCon erstmals die Marktführerschaft übernommen. 2026 liegt der TOPCon-Marktanteil bei rund 60 bis 70 %, während PERC auf 30 bis 40 % gefallen ist – Tendenz weiter sinkend. Alle großen Hersteller wie LONGi, JA Solar, Jinko und Trina setzen TOPCon heute als Mainstream ein.

Besonders erfreulich für Dich: Der befürchtete Preisaufschlag ist ausgeblieben. Durch die Massenproduktion sind TOPCon-Module preislich gleichgezogen oder sogar günstiger geworden. Aktuell liegen TOPCon-Module bei etwa 160 bis 190 € pro kWp, klassische PERC-Module dagegen bei rund 240 bis 290 € pro kWp. Du bekommst mit TOPCon also die höhere Effizienz zu vergleichbaren oder niedrigeren Kosten. Balkonkraftwerke mit zwei TOPCon-Solarmodulen sind weiterhin für deutlich unter 1.000 Euro zu haben.

Wie funktionieren TOPCon-Solarzellen?

Die Grundidee des TOPCon-Konzepts:

  • Das Metall der Anschlusskontakte hat keinen direkten Kontakt zur Siliziumschicht. So wird die Rekombination der Ladungsträger verhindert, die sonst an der Rückseite der Zelle Leistung kostet.
  • Kein direkter Kontakt zwischen Metall und Silizium bedeutet: weniger Verluste, mehr Leistung.

Um diese Rekombination zu unterbinden, wird auf die Zelloberfläche eine extrem dünne Schicht Siliziumoxid aufgebracht, nur wenige Nanometer dick. Diese SiO₂-Schicht passiviert die Oberfläche und blockiert normalerweise den Durchgang der Ladungsträger. Die Schicht ist jedoch so dünn, dass der Strom sie dank quantenmechanischer Effekte überwinden kann. Dieses Phänomen kennt die Physik als „Tunneleffekt".

Zusätzlich wird eine Schicht aus stark dotiertem Silizium aufgetragen, um die elektrische Leitfähigkeit zu verbessern und Übertragungsverluste zu minimieren. TOPCon löst damit eines der Hauptprobleme herkömmlicher Solarzellen – mit einem Trick aus der Quantenphysik, den Du schon heute auf Deinem Balkon oder Dach nutzen kannst.

TOPCon bringt den Durchbruch für n-Typ-Zellen

Silizium-Solarzellen machen den Großteil der weltweit produzierten Solarzellen aus. Sie verbinden hohe Wirkungsgrade mit kosteneffizienter Produktion und zuverlässiger Langlebigkeit.

Eine Siliziumzelle besteht aus zwei Schichten: einer n-Schicht (negativ, elektronenleitend) und einer p-Schicht (positiv, mit sogenannten „Löchern", also unbesetzten Ladungen). Welche Schicht die dickere „Basis" bildet, entscheidet darüber, ob es sich um eine p-Typ- oder n-Typ-Zelle handelt.

Lange beherrschten p-Typ-Zellen den Markt, weil sie einfacher und günstiger herzustellen waren. Heute setzen dank TOPCon immer mehr Hersteller auf n-Typ-Zellen, sie bieten höhere Wirkungsgrade und sind weniger anfällig für Leistungsverluste.

Ein Beispiel: Bei p-Typ-Zellen tritt oft eine anfängliche Degradation (LID) auf, sobald das Sonnenlicht zum ersten Mal auf die Module trifft. Bei n-Typ-Zellen bleibt dieser Effekt aus – die Module behalten ihre Maximalleistung ab Auslieferung.

Weitere Vorteile der n-Typ-Zellen:

  • Geringere Anfälligkeit für metallische Verunreinigungen im Silizium
  • Geringere potenzialinduzierte Degradation (PID)
  • Höhere Temperaturbeständigkeit und ein niedrigerer Temperaturkoeffizient

Wie funktionieren PERC-Solarzellen?

Die PERC-Technologie wurde entwickelt, um Ertrag und Effizienz moderner Photovoltaik zu steigern. Bei herkömmlichen Modulen geht ein Teil des Sonnenlichts ungenutzt durch die Zelle hindurch, ohne Strom zu erzeugen. Genau hier setzt PERC an.

In einer Solarzelle treffen zwei Siliziumschichten mit unterschiedlicher elektrischer Polarität aufeinander: Basis und Emitter. An ihrer Grenzfläche bildet sich ein elektrisches Feld. Trifft Sonnenlicht auf die Zelle, löst es Elektronen aus den Siliziumatomen. Erreichen diese freien Elektronen die Grenzfläche, entsteht elektrischer Strom.

Sonnenlicht hat verschiedene Wellenlängen: Kurzwelliges blaues Licht wird gut von der Vorderseite aufgenommen und erzeugt den Großteil des Stroms. Langwelliges rotes Licht dagegen dringt tiefer ein und lässt Elektronen eher auf der Rückseite entstehen – wo es in herkömmlichen Zellen ungenutzt verloren geht.

PERC nutzt deshalb sogenannte Light-Trapping-Methoden: Eine zusätzliche Passivierungsschicht auf der Rückseite reflektiert das rote Licht zurück in die Zelle. So wird mehr Licht absorbiert und in Strom umgewandelt – die Effizienz steigt.

TOPCon, PERC oder HJT? So ordnest Du die Technologien ein

TOPCon ist heute state-of-the-art und der klare Marktstandard. PERC bleibt vorerst im Markt, vor allem bei besonders preisgünstigen Modulen und in Bestandsanlagen, verliert aber Jahr für Jahr an Bedeutung.

Nach oben hin gibt es mit der Heterojunction-Technologie (HJT) bereits die nächste Premium-Stufe: HJT erreicht noch höhere Wirkungsgrade und einen exzellenten Temperaturkoeffizienten, ist derzeit aber teurer und bleibt eher Spezialanwendungen vorbehalten. Für die allermeisten Haushalte ist TOPCon 2026 die wirtschaftlich wie technisch beste Wahl.

Zur Einordnung die typischen Kennwerte:

TechnologieWirkungsgradTemperaturkoeffizientPreisniveau
PERC19–22 %–0,34 bis –0,40 %/°Cgünstig, auslaufend
TOPCon21–25 %–0,30 bis –0,32 %/°CMarktstandard
HJT22–26 %–0,25 bis –0,27 %/°CPremium

Fazit: TOPCon ist angekommen

Was vor wenigen Jahren noch als aufstrebende Zukunftstechnologie galt, ist heute Realität: TOPCon hat PERC überholt und ist zum neuen Marktstandard geworden, bei höherer Effizienz und inzwischen vergleichbaren oder sogar niedrigeren Preisen.

Für Dich heißt das: mehr Ertrag pro Fläche, geringere Degradation und ein besseres Verhalten an heißen Sommertagen, ohne dass Du dafür tiefer in die Tasche greifen musst.

PERC-Module sind damit nicht schlecht, sie sind bewährt und weiterhin zuverlässig. Wer heute aber neu kauft, bekommt mit TOPCon in aller Regel das rundere Paket. Und mit HJT steht bereits die nächste Effizienzstufe in den Startlöchern. Kurz gesagt: Solaranlagen werden leistungsfähiger, langlebiger und wirtschaftlicher, ein wichtiger Meilenstein für die Energiewende und Deine Unabhängigkeit zu Hause.

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Chris

Schon im Studium hat mich die Energiewende gepackt: Wirtschaftswissenschaften und Nachhaltigkeitsmanagement haben mich für das Thema begeistert. Mein Spezialgebiet sind die Hard Facts unserer Produkte – im Blog gebe ich mein Fachwissen zu Produktdetails und Produktneuheiten direkt aus erster Hand weiter.

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