SG-Ready-Schnittstelle: So nutzt Du smarten Strom für Deine Wärmepumpe

Author's icon

Dominik Broßell

Redakteur

WärmepumpeLesezeit 9 Minuten
Post's headline

Die SG-Ready-Schnittstelle ermöglicht Deiner Wärmepumpe, direkt mit Deiner PV-Anlage und dem intelligenten Stromnetz zu kommunizieren und genau dann zu heizen, wenn Dein Solarstrom am günstigsten ist. Statt überschüssigen PV-Strom für wenige Cent ins Netz einzuspeisen, nutzt Du ihn selbst für Warmwasser und Heizung. Das Ergebnis: höherer Eigenverbrauch, niedrigere Stromkosten und echte Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen.

Dieser Ratgeber erklärt Dir, wie die Smart-Grid-Ready-Schnittstelle funktioniert, welche Anschlussmöglichkeiten es gibt und warum diese Technologie für alle WärmepumpenbesitzerInnen mit PV-Anlage praktisch unverzichtbar geworden ist.

Warum die SG-Ready-Schnittstelle oft missverstanden wird

Viele HausbesitzerInnen wissen nicht, dass ihre Wärmepumpe bereits über eine SG-Ready-Schnittstelle verfügt. Der Begriff klingt kompliziert, die Technik wirkt auf den ersten Blick abstrakt. Dabei ist die Nutzung erstaunlich einfach und die Vorteile sind erheblich.

Die häufigsten Missverständnisse rund um SG-Ready:

  • Die meisten modernen Wärmepumpen sind bereits SG-Ready-fähig, ohne dass Du das weißt. Das SG-Ready-Label kennzeichnet kompatible Geräte, doch viele Hersteller kommunizieren diese Funktion nicht prominent.
  • Die Technik klingt komplex, funktioniert aber über simple Relais-Kontakte. Es braucht keine aufwendige Programmierung oder teure Zusatzsoftware.
  • Die tatsächlichen Kostenvorteile werden unterschätzt. Mit der richtigen Einbindung kannst Du Deinen PV-Eigenverbrauch deutlich steigern und Netzstrom sparen.
  • Nachrüstungen sind meist günstiger als gedacht. Die Grundkomponenten kosten zwischen 50 und 200 Euro, ein Bruchteil dessen, was viele erwarten.
  • Ab 2025 wird SG-Ready faktisch zur Voraussetzung für BAFA-Förderungen. Wer heute investiert, ist für kommende Regularien bestens vorbereitet.

Die wichtigsten Komponenten der SG-Ready-Schnittstelle

Das Herzstück der SG-Ready-Schnittstelle ist überraschend simpel: Zwei potentialfreie Relaiskontakte, bezeichnet als K1 und K2, bilden die Grundlage der gesamten Kommunikation zwischen Deiner Wärmepumpe und externen Steuerungssystemen.

Diese zwei Relais kodieren vier definierte Betriebszustände:

  • Zustand 0:0 (beide Relais offen): Normalbetrieb – die WP arbeitet nach ihrem regulären Heizprogramm.
  • Zustand 0:1 (nur K2 geschlossen): Einschaltempfehlung – die Wärmepumpe soll bevorzugt laufen, etwa bei PV-Überschuss oder günstigen Stromtarifen.
  • Zustand 1:0 (nur K1 geschlossen): Lastabschaltung – bei Netzengpässen wird die Leistungsaufnahme reduziert oder pausiert.
  • Zustand 1:1 (beide Relais geschlossen): Anlaufbefehl mit maximaler Leistung – ideal für hohe PV-Leistung, oft kombiniert mit erhöhter Warmwassertemperatur.

Die Signale werden direkt an die Regelung der Wärmepumpe weitergeleitet. Diese interpretiert die Betriebszustände und passt ihren Betrieb entsprechend an. Wichtig zu wissen: Die genaue Umsetzung kann je nach Wärmepumpenhersteller variieren.

SG-Ready-Schnittstelle im Detail: Die verschiedenen Anschluss-Möglichkeiten

Je nach Deinen Anforderungen und Deinem vorhandenen System gibt es unterschiedliche Wege, die SG-Ready-Schnittstelle Deiner Wärmepumpe zu nutzen. Von der einfachen Relais-Lösung bis zum vollintegrierten Energiemanagementsystem ist für jeden Bedarf etwas dabei.

1. Direkter Anschluss über kompatibles Relais

Der direkte Anschluss über ein Relais ist die einfachste und bewährteste Lösung für die SG-Ready-Steuerung. Du benötigst lediglich ein oder zwei schaltbare Relais, die die Steuerspannung an die Ready Schnittstelle Deiner WP übertragen.

Was diese Lösung auszeichnet:

  • Kostenbereich zwischen 50 und 150 Euro für die Hardware
  • Installation durch Fachkraft in wenigen Stunden möglich
  • zuverlässiger Betrieb ohne komplexe Regelungstechnik
  • direkte Kontrolle über die Betriebszustände Deiner Wärmepumpe
  • keine Abhängigkeit von WLAN oder Smart-Home-Systemen

Diese Variante eignet sich besonders für Dich, wenn Du eine unkomplizierte, robuste Anbindung suchst. Die Kommunikation erfolgt rein elektrisch, das System funktioniert auch bei Internetausfall zuverlässig.

2. Anschluss über Funksteckdose mit separatem Relais

Wenn Du bereits Smart-Home-Komponenten nutzt oder Dein System flexibel erweitern möchtest, bietet sich die Kombination aus Funksteckdose und Relais an. Diese Lösung ermöglicht Dir, die SG-Ready-Wärmepumpe in Dein bestehendes Smart-Home-System einzubinden.

Die Vorteile dieser Lösung:

  • Kostenbereich zwischen 100 und 200 Euro für das Komplettsystem
  • Fernsteuerung und Überwachung über Smartphone möglich
  • flexible Einbindung in bestehende Smart-Home-Plattformen
  • einfache Erweiterung um weitere intelligente Geräte
  • nachträgliche Installation ohne große Umbauten

Besonders technikaffine HausbesitzerInnen schätzen die Möglichkeit, die Wärmepumpensteuerung zentral zu überwachen und bei Bedarf manuell einzugreifen. Die Anbindung an Wetterdaten oder Strompreis-APIs ist mit dieser Lösung ebenfalls realisierbar.

3. Integration über Energy Management Systeme

Die professionellste Lösung ist die Einbindung in ein vollwertiges Energiemanagementsystem. Diese Geräte optimieren automatisch die Energieverteilung zwischen PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und weiteren Verbrauchern.

Was ein Energiemanagementsystem bietet:

  • Kostenbereich zwischen 300 und 800 Euro je nach System-Umfang
  • automatische Optimierung basierend auf PV-Prognosen und Strompreisen
  • intelligente Steuerung aller Verbraucher aus einer Hand
  • langfristig höchste Einsparpotenziale durch ganzheitliches Lastmanagement
  • Vorbereitung auf dynamische Stromtarife und Vehicle-to-Grid

Für HausbesitzerInnen mit einer größeren Photovoltaik Anlage, Batteriespeicher und dem Ziel maximaler Autarkie ist diese Lösung die beste Wahl. Das System lernt Dein Verbrauchsverhalten und optimiert die Wärmeversorgung automatisch.

Vergleich: SG-Ready vs. normale Wärmepumpen-Steuerung

Der Unterschied zwischen einer herkömmlichen Wärmepumpensteuerung und einer SG-Ready-Integration wird im Alltag schnell deutlich. Während normale Steuerungen stur nach Zeitprogramm arbeiten, reagiert ein SG-Ready-System intelligent auf die tatsächliche Energiesituation.

Normale Steuerung:

  • feste Heizzeiten ohne Berücksichtigung von Solarenergie
  • Wärmepumpe läuft auch bei hohen Strompreisen
  • PV-Überschuss wird ins Netz eingespeist statt genutzt
  • keine Kommunikation mit anderen Systemkomponenten
  • Eigenverbrauchsanteil typischerweise bei 25-35 %

SG-Ready-Steuerung:

  • dynamische Anpassung an verfügbare PV-Leistung
  • Betrieb bevorzugt bei günstigem Strom oder Sonnenstrom
  • thermische Speicherung nutzt Pufferspeicher als “Wärme-Batterie”
  • intelligente Kommunikation mit PV-Wechselrichter
  • Eigenverbrauchsanteil steigt auf 50-65 %

Der entscheidende Vorteil: Dein Warmwasser- oder Pufferspeicher wird zur kostenlosen Batterie. Statt PV-Überschuss für wenige Cent einzuspeisen, speicherst Du die Energie als Wärme und nutzt sie abends oder am nächsten Morgen. Das Netz wird entlastet, und Du sparst bares Geld.

Warum SG-Ready Deine Heizkosten langfristig senkt

Die Kostenvorteile einer SG Ready Wärmepumpe ergeben sich aus mehreren Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Je mehr Du verstehst, wie das System arbeitet, desto besser kannst Du es für Dich nutzen.

Die wichtigsten Einsparmechanismen:

  • Optimale PV-Nutzung: Statt Deinen Eigenstrom für 8-10 Cent einzuspeisen, nutzt Du ihn selbst und sparst 25-35 Cent Netzstrom pro kWh.
  • Intelligente Lastverschiebung: Die Wärmepumpe heizt bevorzugt mittags bei PV-Überschuss und pausiert abends, wenn Strom teuer ist.
  • Thermische Speicherung ohne Zusatzkosten: Dein vorhandener Warmwasserspeicher oder Pufferspeicher übernimmt die Funktion eines Batteriespeichers – ganz ohne zusätzliche Investition.
  • Vorbereitung auf dynamische Tarife: Mit flexiblen Strompreisen, die ab 2025 verstärkt angeboten werden, profitierst Du automatisch von günstigen Stunden.
  • Steigende Unabhängigkeit: Je mehr Eigenstrom Du nutzt, desto weniger bist Du von Preissteigerungen am Strommarkt betroffen.

Warum dieser Effizienz-Vorteil so entscheidend ist

Die Rahmenbedingungen im Energiemarkt entwickeln sich eindeutig zugunsten von SG-Ready-Systemen:

  • Strompreise steigen langfristig, während die Kosten für PV-Strom stabil bleiben.
  • Einspeisevergütungen sinken kontinuierlich – Eigenverbrauch wird immer wirtschaftlicher.
  • Intelligente Netze werden zum Standard, und wer heute investiert, ist vorbereitet.
  • Ab 2025 setzt die BAFA-Förderung netzdienlichen Betrieb über zertifiziertes Smart-Meter-Gateway mit SG-Ready oder VHP-Ready voraus.

Wie sich die Energiewende auf SG-Ready auswirkt

Die Bedeutung der Smart-Grid-Ready-Schnittstelle wächst mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Je mehr Solarenergie und Windkraft ins Netz einspeisen, desto wichtiger wird flexibles Lastmanagement auf Verbraucherseite.

Aktuelle Entwicklungen und Trends:

  • Netzdienlichkeit wird belohnt: Zukünftige Stromtarife werden HausbesitzerInnen honorieren, die ihre Verbraucher flexibel steuern können.
  • Smart Meter Gateway als Pflicht: Die Digitalisierung des Stromnetzes macht die Kommunikation zwischen Wärmepumpe und Netz zum Standard.
  • Sektorenkopplung nimmt Fahrt auf: Wärmepumpen werden Teil eines integrierten Systems aus Strom, Wärme und Mobilität.
  • Vehicle-to-Grid Integration: SG-Ready bereitet Dein System auf die Einbindung von Elektrofahrzeugen vor.
  • Politische Förderung: Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) treibt den Standard aktiv voran, und die Regularien werden entsprechend angepasst.

Fördermöglichkeiten und gesetzliche Anforderungen

Die Förderlandschaft für Wärmepumpen hat sich 2025 verändert. Die neuen Anforderungen machen SG-Ready praktisch zur Pflicht für alle, die Fördermittel in Anspruch nehmen möchten.

Aktuelle Fördervoraussetzungen:

  • BAFA-Förderung ab 1. Januar 2025 setzt netzdienlichen Betrieb voraus
  • Nachweis über zertifiziertes Smart-Meter-Gateway mit SG-Ready oder VHP-Ready erforderlich
  • Das SG-Ready-Label muss die gesamte Baureihe inklusive Regelung abdecken
  • Zusätzliche Fördermöglichkeiten für intelligente Energiemanagementsysteme
  • Regionale Programme unterstützen teilweise die Smart-Home-Integration

Alle Wärmepumpe im priwatt Portfolio sind standardmäßig mit dem SG-Ready-Label ausgestattet. Bei der Nachrüstung älterer Modelle solltest Du prüfen, ob die Steuerung die erforderlichen Funktionen unterstützt.

Praxis-Beispiel: So viel sparst Du mit SG-Ready

Um die Vorteile greifbar zu machen, betrachten wir eine typische Konstellation: Ein Einfamilienhaus mit 10 kWp PV-Anlage und einer SG-Ready-Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser.

Ausgangssituation ohne SG-Ready:

  • jährlicher Wärmebedarf: 12.000 kWh
  • Strombedarf der Wärmepumpe (bei JAZ 3,5): ca. 3.400 kWh
  • PV-Eigenverbrauchsanteil gesamt: 35 %
  • WP-Strom aus PV: ca. 1.200 kWh
  • Zukauf aus dem Netz: ca. 2.200 kWh à 0,30 € = 660 €

Nach SG Ready Integration:

  • Eigenverbrauchsanteil steigt auf 65 %
  • WP-Strom aus PV: ca. 2.200 kWh
  • Zukauf aus dem Netz: ca. 1.200 kWh à 0,30 € = 360 €
  • Jährliche Ersparnis: ca. 300 € allein für WP-Strom

Zusätzlich profitierst Du von:

  • erhöhtem PV-Eigenverbrauch (weniger Einspeisung zu niedrigen Vergütungen)
  • Vermeidung von Spitzenlasten bei künftigen dynamischen Tarifen
  • geringerer Netzbelastung und perspektivisch möglichen Bonus-Zahlungen

Warum PV-Anlagen und SG-Ready das perfekte Team sind

Die Kombination aus Photovoltaik Anlage und SG-Ready-Wärmepumpe erschließt Synergien, die beide Systeme einzeln nicht bieten können. Der Schlüssel liegt in der thermischen Speicherung.

Thermische Speicherung als clevere Alternative:

Batteriespeicher sind in den vergangenen Jahren deutlich preiswerter geworden, aber Dein Warmwasserspeicher oder Pufferspeicher hingegen ist bereits vorhanden und kann Wärmeenergie über Stunden speichern. Wenn die Wärmepumpe bei PV-Überschuss das Wasser auf 60 statt 50 °C erwärmt, speicherst Du effektiv überschüssige Energie, ohne Zusatzinvestition.

So funktioniert die Kombination im Alltag:

  • PV-Wechselrichter erkennt Überschuss und sendet das SG-Ready-Signal
  • Wärmepumpe schaltet in Betriebszustand 3 (Anlaufbefehl mit erhöhter Temperatur)
  • Warmwasser- und Pufferspeicher werden bis zur Obergrenze gefüllt
  • abends und nachts nutzt das Haus die gespeicherte Wärme
  • Wärmepumpe muss nicht mit teurem Netzstrom laufen

Erweiterungsmöglichkeiten:

  • Kombination mit Batteriespeicher für maximale Flexibilität
  • Integration von Elektrofahrzeugen ins Energiemanagement
  • Anbindung weiterer Verbraucher wie Waschmaschine oder Geschirrspüler
  • Nutzung von Wetterprognosen für vorausschauende Steuerung

Die Wärmepumpe mit SG-Ready wird zum flexiblen Verbraucher, der sich automatisch an Deine Solarproduktion anpasst. Das Ergebnis: maximaler Eigenstrom-Anteil und minimale Abhängigkeit vom Netz.

Fazit

Die SG-Ready-Schnittstelle macht Deine Wärmepumpe zukunftssicher für intelligente Stromnetze und ermöglicht echte Kosteneinsparungen durch optimierten PV-Eigenverbrauch. Was technisch komplex klingt, ist in der Praxis überraschend einfach: Zwei Relais-Kontakte reichen aus, um Deine WP mit der PV-Anlage kommunizieren zu lassen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • viele Wärmepumpen sind bereits SG Ready – die Funktion muss nur aktiviert werden
  • SG-Ready-Schnittstelle nachrüsten kostet zwischen 50 und 800 Euro je nach gewählter Lösung
  • Eigenverbrauchssteigerungen von 30 auf 60 % oder mehr sind realistisch
  • thermische Speicherung nutzt vorhandene Speicher als kostenlose “Wärme-Batterie”
  • Ab 2025 wird SG-Ready zur Voraussetzung für BAFA-Förderung

Ob Du Dich für ein einfaches Relais-System, eine Smart-Home-Anbindung oder ein vollwertiges Energiemanagement entscheidest: Die Investition in die SG-Ready-Schnittstelle ist eine Investition in die Energiezukunft Deines Hauses. Du wirst unabhängiger von steigenden Strompreisen, nutzt Deinen Sonnenstrom optimal und leistest gleichzeitig einen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes.

Für alle, die bereits eine Photovoltaik Anlage besitzen oder planen, ist die Frage nicht ob, sondern wie sie SG-Ready nutzen. Die Technik ist ausgereift, der Standard etabliert, und die wirtschaftlichen Vorteile sind real.

Author's icon
Dominik BroßellRedakteur

Als euer Experte für Solartechnik und erneuerbare Energien informiert euch Dominik regelmäßig im priwatt-Blog über alles Wissenswerte rund um die Themen Balkonkraftwerk, PV, Stromtarife, Batteriespeicher und Co.

LeserInnen interessierte auch:

Werde Teil der
priwatt Community!

Abonniere jetzt unseren Newsletter, erhalte exklusive Rabatte und Tipps rund um Deine Energiewende.

Anerkennungsurkunde des deutscchlandtest.de