Einspeisevergütung Abschaffung 2027? Was Du jetzt zu den Plänen wissen musst

Dominik Broßell
Redakteur

In der Bundesregierung zeichnet sich eine fundamentale Kehrtwende in der Solarpolitik ab: Aktuellen politischen Diskussionen zufolge soll die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen ab 2027 wegfallen. Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) warnt nun eindringlich vor den möglichen Folgen dieser Pläne.
Wichtig zur Einordnung: Bisher handelt es sich um politische Zielsetzungen der zuständigen Ministerien; eine offizielle Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) steht noch aus. Dennoch sorgt die Debatte bereits jetzt für Verunsicherung.
Die Pläne: Weg von der Fixvergütung, hin zum Marktrisiko
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Umweltminister Carsten Schneider (SPD) haben signalisiert, dass die bisherige staatlich garantierte Einspeisevergütung durch sogenannte Zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs) ersetzt werden soll.
Was kompliziert klingt, würde den Betrieb privater Anlagen grundlegend verändern:
- Marktpreis-Koppelung: Statt eines festen Cent-Betrages pro kWh müssten PV-Besitzer ihren Strom über Drittanbieter (Direktvermarkter) an der Börse verkaufen.
- Die CfD-Logik: Es wird ein Preisrahmen vereinbart. Liegt der Börsenpreis unter diesem Rahmen, erhält der Betreiber die Differenz erstattet. Steigt der Börsenpreis jedoch über den vereinbarten Korridor, muss der PV-Besitzer die Mehrgewinne an den Vertragspartner zurückzahlen.
- Das Risiko: Während die alte EEG-Welt Planungssicherheit bot, hängen die Erlöse hier stark von der Marktentwicklung und den Gebühren der Vermarkter ab.
Fraunhofer-Studie warnt: Wirtschaftlichkeit unter Druck
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat in einer neuen Analyse vorgerechnet, was das für Dich als VerbraucherIn bedeutet. Die Kernpunkte der Studie:
- Hoher Gebührendruck: Besonders bei kleinen Dachanlagen bis 30 kWp könnten die Kosten für die notwendige Direktvermarktung laut Berechnungen bis zu 69 % der Erlöse über die gesamte Laufzeit schrumpfen lassen.
- Zwang zum Eigenverbrauch: Um die geringeren Erlöse beim Stromverkauf auszugleichen, müsste die Eigenverbrauchsquote um etwa 15 % höher liegen als unter dem aktuellen EEG-Modell.
- Bürokratische Hürden: Die Abschätzung künftiger Einnahmen wird durch die Marktkopplung deutlich komplexer. Viele Privatleute könnten den Aufwand scheuen.
Unsere Einschätzung: Solange noch kein Gesetz verabschiedet ist, bleibt vieles Spekulation. Doch der politische Trend ist klar: Die Verantwortung für die Netzdienlichkeit wird zunehmend auf die Anlagenbetreiber übertragen. Das macht Smarte Technik und Batteriespeicher wichtiger denn je.

Was bedeutet das für Deine Planung?
Auch wenn es sich noch um Planungen handelt, sollten künftige Solar-BesitzerInnen die Zeitachse im Blick behalten:
- Bestandsschutz: Wer bereits eine Anlage betreibt oder diese bis Ende 2026 in Betrieb nimmt, genießt nach aktuellem Stand den 20-jährigen Vertrauensschutz der geltenden EEG-Vergütung.
- Sicherheitsanker 2026: Da die EU-Genehmigung für das aktuelle Fördermodell Ende 2026 ausläuft, ist eine Neuregelung ab 2027 sehr wahrscheinlich. Wer von der alten, einfachen Welt profitieren will, sollte sein Projekt idealerweise noch vor dem Jahreswechsel 2026/27 realisieren.
Die Lösungsvorschläge der ExpertInnen
Bevor die Förderung gekappt wird, fordert das Fraunhofer-Institut alternative Schritte, um das Netz zu entlasten, ohne die Attraktivität für Privatleute zu zerstören:
- Schnellerer Rollout von Smart Metern, um Einspeisung präzise steuern zu können.
- Flächendeckende dynamische Stromtarife, die Anreize setzen, Strom dann zu verbrauchen, wenn die Sonne scheint.
- Eine dynamische Einspeisevergütung als sanfterer Übergang statt einer verpflichtenden Direktvermarktung.

Fazit: Die Energiewende wird erwachsen und kein Stück langsamer
Die Diskussion um das Ende der Einspeisevergütung zeigt, dass die „Plug-and-Forget“-Mentalität der Solarförderung endet. Die Zukunft gehört dem smarten Eigenverbrauch. Wer seine Anlage heute schon mit Blick auf Unabhängigkeit plant, ist für alle kommenden Gesetzesänderungen bestens gerüstet.
Quellen: https://www.presseportal.de/pm/177921/6209255 ; https://www.ews-schoenau.de/export/sites/ews/ews/.files/studie-dezentrale-PV-ISE-26.pdf

Als euer Experte für Solartechnik und erneuerbare Energien informiert euch Dominik regelmäßig im priwatt-Blog über alles Wissenswerte rund um die Themen Balkonkraftwerk, PV, Stromtarife, Batteriespeicher und Co.
