Balkonkraftwerk Probleme – Die häufigsten Störungen und ihre Lösungen

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Dominik Broßell

Redakteur

BalkonkraftwerkLesezeit 13 Minuten
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Balkonkraftwerke können verschiedene Probleme verursachen – von technischen Defekten über Installationsfehler bis hin zu Umwelteinflüssen. Die meisten Störungen sind vermeidbar oder mit einfachen Mitteln lösbar. Etwa 80 % aller Probleme entstehen durch Wechselrichter-Defekte, fehlerhafte Verkabelung oder Verschmutzung der Module. Mit der richtigen Wartung und präventiven Maßnahmen kannst Du die meisten Störungen von vornherein verhindern.

Dieser Ratgeber zeigt Dir die häufigsten Probleme bei Mini-PV-Anlagen und gibt Dir konkrete Tipps zur Problemdiagnose, Behebung und Prävention. So stellst Du sicher, dass Dein Balkonkraftwerk zuverlässig Strom produziert und Du langfristig Deine Stromkosten senkst.

Warum Balkonkraftwerke Probleme verursachen können

Balkonkraftwerke sind komplexe technische Systeme, die permanent den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind. Im Gegensatz zu Haushaltsgeräten müssen sie bei Regen, Schnee, Hitze und Sturm funktionieren. Diese Außenaufstellung macht sie anfällig für verschiedene Störungen, die bei anderen Geräten nicht auftreten.

Die Technik in einer Mini-PV-Anlage ist hochkomplex: Solarzellen wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um, der Wechselrichter transformiert diesen in haushaltsüblichen Wechselstrom, und über die Steckdose wird der Solarstrom ins Hausnetz eingespeist. Jede dieser Komponenten kann ausfallen oder Probleme verursachen.

Die häufigsten Ursachen für Betriebsstörungen lt. Stiftung Warentest

Erfahrungen von Nutzern und Tests der Stiftung Warentest zeigen klare Muster bei den Problemursachen:

  • Wechselrichter-Defekte (40 %) – Überhitzung, Feuchtigkeit, Elektronikfehler
  • Verkabelungsprobleme (25 %) – Lockere Verbindungen, defekte Stecker, UV-Schäden
  • Verschmutzung und Verschattung (20 %) – Reduzierte Leistung durch äußere Einflüsse
  • Moduldefekte (10 %) – Mikrorisse, Hot Spots, mechanische Schäden
  • Installationsfehler (5 %) – Falsche Ausrichtung, unsichere Befestigung

Die meisten Probleme treten interessanterweise nicht sofort auf, sondern entwickeln sich schleichend. Besonders in den ersten Monaten nach der Installation und nach etwa 5-7 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für Störungen deutlich an.

Technische Probleme bei Balkonkraftwerken: Ein Überblick

Die drei Hauptkomponenten Deines Balkonkraftwerks – Solarmodule, Wechselrichter und Verkabelung – können jeweils spezifische Probleme entwickeln. Während sich Moduldefekte meist durch sichtbare Schäden zeigen, äußern sich Wechselrichter-Probleme oft durch kompletten Stromausfall oder stark reduzierte Leistung.

So erkennst Du technische Probleme:

  • kein Strom trotz Sonnenschein (Totalausfall)
  • deutlich reduzierte Leistung verglichen mit früheren Monaten
  • ungewöhnliche Geräusche oder Hitzeentwicklung
  • fehlerhafte Anzeigen in der Monitoring-App
  • sichtbare Schäden an Modulen oder Kabeln

Bei technischen Defekten hast Du meist Garantie- oder Gewährleistungsansprüche. Die Produktgarantie für Solarmodule beträgt typischerweise 10-15 Jahre, für Wechselrichter 5-10 Jahre. Bewahre alle Kaufbelege und dokumentiere Probleme mit Fotos für eventuelle Garantiefälle.

1. Wechselrichter-Defekte: Der häufigste Problemverursacher

Der Wechselrichter ist das Herzstück Deiner Mini-Solaranlage und gleichzeitig die störungsanfälligste Komponente. Er enthält komplexe Elektronik, entwickelt Wärme und verfügt über verschiedene Schutzfunktionen, die bei Problemen die Anlage abschalten.

Warum Wechselrichter besonders anfällig sind:

  • hohe Belastung durch permanente Leistungsumwandlung
  • Hitzeentwicklung bei direkter Sonneneinstrahlung
  • empfindliche Elektronik reagiert auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen
  • elektromagnetische Störungen durch andere Geräte
  • Verschleiß der elektronischen Bauteile über die Jahre

Ein aktuelles Beispiel zeigt die Problematik: 2024 musste Hoymiles bestimmte Wechselrichtermodelle zurückrufen, da diese elektromagnetische Störungen verursachten, die WLAN-Verbindungen und Radioempfang beeinträchtigen konnten.

Typische Wechselrichter-Probleme

Überhitzung bei direkter Sonneneinstrahlung: Viele NutzerInnen montieren den Wechselrichter direkt hinter dem Solarmodul, wo er der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Bei Temperaturen über 60 °C können elektronische Komponenten ausfallen oder ihre Lebensdauer wird drastisch reduziert. Das Problem verstärkt sich bei dunklen Modulrückseiten und unzureichender Belüftung.

Feuchtigkeit trotz IP-Schutzklassen: Obwohl Wechselrichter meist IP65 oder IP67 zertifiziert sind, kann Feuchtigkeit eindringen. Besonders kritisch sind Temperaturschwankungen, die Kondenswasser im Gehäuse entstehen lassen. Auch kleinste Beschädigungen der Dichtungen können zu Korrosion und Kurzschlüssen führen.

Elektromagnetische Störungen: Moderne Wechselrichter arbeiten mit hohen Schaltfrequenzen, die elektromagnetische Felder erzeugen. Diese können Funkverkehr, WLAN-Signale oder Radioempfang stören. Besonders in dicht besiedelten Gebieten führt das zu Beschwerden von Nachbarn.

Software-Probleme und Kommunikationsausfälle: WLAN-fähige Wechselrichter können Software-Bugs entwickeln oder die Verbindung zur Monitoring-App verlieren. Oft helfen einfache Resets, manchmal sind aber Firmware-Updates oder der Austausch nötig.

Eindeutige Anzeichen für einen Defekt:

  • keine LED-Anzeige trotz Sonnenschein und korrekter Verkabelung
  • ungewöhnliche Brumm- oder Pfeifgeräusche während des Betriebs
  • starke Hitzeentwicklung oder Brandgeruch
  • kompletter Stromausfall trotz funktionsfähiger Module
  • ständige Fehlermeldungen in der Monitoring-App

Die Garantieabwicklung läuft je nach Hersteller unterschiedlich ab. Während priwatt schnelle Ersatzlieferungen bietet, verlangen andere Anbieter ausführliche Fehlerdiagnosen. Rechne mit Kosten zwischen 200-400 Euro für einen neuen Wechselrichter, falls die Garantie nicht greift.

800 Watt Upgrade-Möglichkeit nutzen

Wenn Dein alter 600-Watt-Wechselrichter defekt ist, kannst Du die Gelegenheit nutzen und auf einen 800-Watt-Wechselrichter upgraden. Seit dem Solarpaket 1 ist die höhere Leistung in Deutschland erlaubt.

2. Verkabelung und Installation: Häufige Fehlerquellen

Verkabelungsfehler sind besonders tückisch, weil sie oft erst Monate nach der Installation auftreten. Temperaturschwankungen, UV-Strahlung und mechanische Belastungen setzen Kabeln und Steckverbindungen zu. Viele Probleme entstehen durch unsachgemäße Selbstinstallation oder minderwertige Komponenten.

Der Unterschied zwischen Fach- und Selbstinstallation macht sich langfristig bemerkbar: Während ElektrikerInnen auf qualitativ hochwertige Steckverbindungen und fachgerechte Verlegung achten, übersehen Laien oft kritische Details. Besonders die Wahl zwischen Schuko- und Wieland-Stecker sowie die korrekte Installation der MC4-Verbindungen entscheidet über die Betriebssicherheit.

Die wichtigsten Verkabelungsprobleme

Lockere MC4-Verbindungen durch Temperaturschwankungen: Die MC4-Steckverbindungen zwischen Modulen und Wechselrichter sind ständigen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Im Sommer können sie sich auf über 80 °C erhitzen, im Winter auf unter -20 °C abkühlen. Diese Zyklen führen zu Materialermüdung und lockeren Kontakten, die Lichtbögen und Brandgefahr verursachen können.

Korrosion durch Feuchtigkeit: Obwohl MC4-Stecker als wasserdicht gelten, kann Feuchtigkeit durch unsachgemäße Montage oder beschädigte Dichtungen eindringen. Salzwassernebel an der Küste oder Streusalz im Winter verstärken die Korrosion erheblich.

UV-Schäden an Kabeln: Billige Anschlusskabel ohne UV-Schutz werden durch Sonneneinstrahlung spröde und rissig. Die Isolierung bricht auf, was zu Kurzschlüssen oder gefährlichen Berührungsspannungen führen kann.

Überlastung des Hausnetzes: Viele NutzerInnen unterschätzen die Belastung ihrer Hausinstallation. Alte Elektroinstallationen oder mehrere Balkonkraftwerke in einem Haushalt können die Sicherungen überlasten oder zu Spannungsproblemen führen.

So erkennst Du Installationsfehler

Visuelle Inspektion regelmäßig durchführen:

  • kontrolliere alle sichtbaren Steckverbindungen auf festen Sitz
  • achte auf Verfärbungen, Schmelzspuren oder Brandgeruch an der Steckdose
  • prüfe Kabel auf Risse, brüchige Isolierung oder Tierbisse
  • stelle sicher, dass alle Verbindungen trocken und sauber sind

Leistungsmessung als Diagnosewerkzeug: Mit einem einfachen Strommessgerät an der Steckdose kannst Du die aktuelle Leistung Deines Balkonkraftwerks überprüfen. Schwankt diese stark oder bleibt deutlich unter den Erwartungen, deutet das auf Verkabelungsprobleme hin.

Wann eine Fachkraft ran muss:

  • bei sichtbaren Schäden an der Hauselektrik
  • wenn Sicherungen häufig auslösen
  • bei Brandgeruch oder ungewöhnlicher Wärmeentwicklung
  • wenn Du Dir unsicher bei der Diagnose bist

3. Solarmodul-Defekte: Leistungseinbußen erkennen und beheben

Solarmodule sind grundsätzlich sehr langlebig und robust. Trotzdem können verschiedene Faktoren ihre Leistung beeinträchtigen oder zu echten Defekten führen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen natürlicher Degradation (etwa 0,5 % pro Jahr) und echten Problemen, die eine Reparatur oder einen Austausch erfordern.

Hot Spots sind die gefährlichste Modulproblematik: Dabei erhitzen sich einzelne Solarzellen übermäßig, was zu irreversiblen Schäden und sogar Bränden führen kann. Ursache sind meist defekte Bypass-Dioden oder Verschattungen, die eine ungleichmäßige Stromverteilung verursachen.

Anzeichen für defekte Module

Sichtbare Schäden am Modul:

  • Risse im Glas oder in den Solarzellen
  • Verfärbungen (bräunlich, gelblich) der Einbettung
  • Blasenbildung oder Delaminierung der Rückfolie
  • Korrosion am Modulrahmen oder den Anschlussdosen

Leistungsprobleme:

  • deutlicher Ertragsrückgang einzelner Module
  • ungewöhnliche Temperaturentwicklung bestimmter Bereiche
  • starke Leistungsunterschiede zwischen baugleichen Modulen

Dokumentiere alle Auffälligkeiten mit Fotos und notiere Datum sowie Wetterbedingungen. Diese Informationen sind wichtig für Garantieansprüche oder Versicherungsfälle.

Wann eine Reparatur sinnvoll ist

Garantiebedingungen prüfen: Solarmodule haben meist 10-15 Jahre Produktgarantie und 20-25 Jahre Leistungsgarantie. Die Leistungsgarantie greift erst bei Ertragsrückgängen über 20 %, während die Produktgarantie echte Defekte abdeckt.

Kosten-Nutzen-Rechnung: Bei Modulen älter als 10 Jahre lohnt sich eine Reparatur meist nicht. Neue Module sind deutlich effizienter und kostengünstiger geworden. Ein Austausch kann sogar die Gesamtleistung Deines Balkonkraftwerks verbessern.

Recycling beachten: Defekte Solarmodule gehören nicht in den Hausmüll. Viele Hersteller bieten Rücknahmeprogramme, und spezialisierte Recyclingunternehmen können wertvolle Materialien zurückgewinnen.

Umwelteinflüsse: Die größten Risikofaktoren für Deine Mini-Solaranlage

Umwelteinflüsse belasten Balkonkraftwerke das ganze Jahr über. Jede Jahreszeit bringt spezielle Herausforderungen mit sich: Frühjahrspollen verstärken Verschmutzung, Sommergewitter können Überspannungsschäden verursachen, Herbstlaub verschattet Module und Schneelast im Winter kann Halterungen beschädigen.

Regionale Besonderheiten berücksichtigen:

  • Küstenregionen: Salzwassernebel korrodiert Metallteile schneller
  • Gebirge: Starke UV-Strahlung und Temperaturschwankungen belasten Materialien
  • Städte: Luftverschmutzung und Feinstaub reduzieren die Modulleistung
  • Industriegebiete: Chemische Belastungen können Kunststoffteile angreifen

Verschattung und Verschmutzung

Bereits minimale Verschattung reduziert die Leistung drastisch. Da Solarzellen in den meisten Modulen in Reihe geschaltet sind, kann eine verschattete Zelle die Leistung des gesamten Strings beeinträchtigen. Eine nur 10 % verschattete Modulfläche kann den Ertrag um 50 % oder mehr reduzieren. Erfahre hier, wie Du Verschattung vermeidest.

Typische Verschattungsquellen identifizieren:

  • Nachbargebäude und deren Schattenwurf zu verschiedenen Tageszeiten
  • wachsende Bäume und Sträucher in der Umgebung
  • Balkongitter, Geländer oder Blumenkästen
  • Satellitenschüsseln, Antennen oder Klimageräte
  • temporäre Verschattung durch Wäscheleinen oder Sonnenschirme

Verschmutzung systematisch angehen: Die häufigsten Verschmutzungen sind Pollen im Frühling, Staub im Sommer und Laub im Herbst. In städtischen Gebieten kommen Feinstaub und Abgase hinzu. Vogelkot ist besonders problematisch, da er hartnäckig haftet und punktuelle Verschattung verursacht. Erfahre hier, wie Du Deine PV-Anlage reinigst.

Optimale Reinigungsintervalle:

  • monatliche Sichtkontrolle auf starke Verschmutzung oder Schäden
  • Quartalsreinigung in normalen Umgebungen mit klarem Wasser
  • monatliche Reinigung in stark verschmutzten Gebieten oder während der Pollensaison
  • Sofortreinigung bei Vogelkot oder anderen hartnäckigen Verschmutzungen

Bypass-Dioden verstehen: Moderne Module haben Bypass-Dioden, die verschattete Bereiche umgehen können. Das reduziert Leistungsverluste, kann aber Hot Spots verursachen. Achte nach der Reinigung auf ungewöhnliche Erwärmung von Modulbereichen.

Warum regelmäßige Wartung Probleme verhindert

Präventive Wartung ist der beste Schutz vor teuren Reparaturen und Ausfällen. Ein systematischer Wartungsplan hilft Dir, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Lebensdauer Deines Balkonkraftwerks zu verlängern. Die meisten Wartungsarbeiten kannst Du selbst durchführen - nur elektrische Arbeiten gehören in ExpertInnenhände.

Kosten-Nutzen-Verhältnis der Wartung: Regelmäßige Wartung kostet Dich etwa 50-100 Euro pro Jahr (Materials- und Zeitaufwand), kann aber Schäden im vierstelligen Bereich verhindern. Ein rechtzeitig entdeckter defekter Wechselrichter spart teure Folgeschäden am Hausnetz.

Die wichtigsten Wartungsmaßnahmen

Monatliche Sichtkontrolle (15 Minuten):

  • Status-LEDs des Wechselrichters prüfen
  • sichtbare Schäden an Modulen und Kabeln kontrollieren
  • Befestigung der Module und Halterungen überprüfen
  • Verschmutzung und Verschattung bewerten
  • Monitoring-App auf Auffälligkeiten prüfen

Quartalsweise Grundreinigung (30-60 Minuten):

  • Module mit klarem Wasser und weichem Schwamm reinigen
  • Steckverbindungen auf festen Sitz kontrollieren
  • Entwässerung der Modulrahmen überprüfen
  • Umgebung auf neue Verschattungsquellen kontrollieren

Jährliche Intensivwartung:

  • alle elektrischen Verbindungen vom Fachmann prüfen lassen
  • Leistungsmessung und Vergleich mit Vorjahreswerten
  • Dokumentation der Wartungsarbeiten für Garantieansprüche
  • Überprüfung der Versicherungsdeckung
  • Update der Wechselrichter-Firmware falls verfügbar

Sicherheitsrisiken bei Balkonkraftwerken erkennen und vermeiden

Balkonkraftwerke bringen verschiedene Sicherheitsrisiken mit sich, die oft unterschätzt werden. Neben den offensichtlichen elektrischen Gefahren gibt es auch Cybersicherheits-, mechanische und rechtliche Risiken, die Du kennen solltest.

Elektrische Sicherheit hat oberste Priorität

Arbeite niemals bei Feuchtigkeit an der Anlage und schalte sie vor Wartungsarbeiten ab. Auch bei 800 Watt können gefährliche Stromschläge auftreten. Lass alle Arbeiten am Hausnetz vom Elektriker durchführen.

Cybersicherheit wird oft vergessen

WLAN-fähige Wechselrichter können Einfallstore für Hacker sein. Ändere Standard-Passwörter, führe regelmäßige Updates durch und überwache ungewöhnliche Netzwerkaktivitäten. Einige Wechselrichter können sogar für Botnet-Angriffe missbraucht werden.

Mechanische Sicherheit beachten

Sturmschäden sind die häufigste Ursache für Unfälle mit Balkonkraftwerken. Herabfallende Module können schwere Verletzungen verursachen und hohe Sachschäden anrichten. Die Befestigung muss für alle Wetterbedingungen ausgelegt sein.

Rechtliche Sicherheit

Du haftest für Schäden, die von Deinem Balkonkraftwerk ausgehen. Das umfasst nicht nur mechanische Schäden, sondern auch elektromagnetische Störungen oder Netzrückwirkungen. Eine Registrierung bei der Bundesnetzagentur ist Pflicht - Strafen bis zu 50.000 Euro sind möglich.

Versicherungsschutz prüfen

Nicht alle Hausrat- und Haftpflichtversicherungen decken Balkonkraftwerke ab. Kläre vor der Installation den Versicherungsschutz und melde die Anlage Deiner Versicherung. Bei Mietwohnungen ist zusätzlich die Zustimmung des Vermieters erforderlich.

Problemdiagnose: So findest Du die Ursache für Störungen

Eine systematische Herangehensweise bei der Fehlersuche spart Zeit und verhindert weitere Schäden. Beginne immer mit den einfachsten Ursachen und arbeite Dich schrittweise zu komplexeren Problemen vor. Dokumentiere alle Schritte für den Fall, dass Du einen Fachmann hinzuziehen musst.

Wichtige Diagnosewerkzeuge:

  • Multimeter für Spannungs- und Strommessungen
  • Digitalkamera für Schadensdokumentation
  • Monitoring-App des Wechselrichters
  • Thermometer für Temperaturmessungen
  • Einfaches Strommessgerät für die Steckdose

Erste Schritte bei der Fehlersuche

Sicherheitscheck vor jeder Diagnose: Schalte das Balkonkraftwerk ab, bevor Du Arbeiten beginnst. Ziehe den Stecker aus der Steckdose und warte mindestens 10 Minuten, bis die Kondensatoren im Wechselrichter entladen sind. Arbeite niemals bei Feuchtigkeit oder Gewitter.

Systematische Sichtprüfung durchführen:

  1. Module kontrollieren: Risse, Verfärbungen, Verschmutzung, Verschattung
  2. Wechselrichter prüfen: Status-LEDs, ungewöhnliche Geräusche, Überhitzung
  3. Verkabelung inspizieren: Lockere Verbindungen, Kabelschäden, Korrosion
  4. Befestigung überprüfen: Lockere Schrauben, verbogene Halterungen
  5. Umgebung bewerten: Neue Hindernisse, Verschattungsquellen, Schäden

Grundfunktionen testen:

  • Netzspannung an der Steckdose messen (sollte 230V ± 10% betragen)
  • Leerlaufspannung der Module bei Sonnenschein prüfen
  • Status der Monitoring-App kontrollieren
  • aktuelle Leistungsabgabe mit erwarteten Werten vergleichen

Wann Du Hilfe brauchst

Arbeiten am Hausnetz gehören in Expertenhände:

  • alle Tätigkeiten an der Elektroinstallation des Hauses
  • Austausch von Sicherungen oder Installation neuer Stromkreise
  • Messungen am Stromzähler oder der Hausverteilung
  • Arbeiten bei vermuteten Isolationsfehlern oder Kurzschlüssen

Komplexe Wechselrichter-Probleme:

  • Firmware-Updates oder Parametrierung
  • Diagnose elektromagnetischer Störungen
  • Reparatur oder Austausch bei Garantieansprüchen
  • Programmierung von Smart-Home-Funktionen

Sicherheitsrelevante Mängel sofort angehen: Bei Brandgeruch, Funkenbildung, ungewöhnlicher Hitzeentwicklung oder anderen Sicherheitsproblemen Dein kleines Kraftwerk sofort abschalten und eine ExpertIn kontaktieren. Diese Situationen können lebensgefährlich werden.

Häufige Fehldiagnosen vermeiden

Normale Leistungsschwankungen vs. echter Defekt: Viele NutzerInnen interpretieren normale wetterbedingte Leistungsschwankungen als Defekt. Ein Balkonkraftwerk produziert bei bewölktem Himmel nur 10-30 % der Nennleistung – das ist völlig normal.

Verschmutzung wird oft überschätzt: Leichte Staubschichten reduzieren die Leistung um maximal 5-10 %. Dramatische Ertragsrückgänge haben meist andere Ursachen wie Verschattung oder technische Defekte.

Wechselrichter-Status richtig interpretieren: Die Status-LEDs zeigen verschiedene Betriebszustände an, nicht nur “funktioniert” oder “defekt”. Lerne die Bedeutung der verschiedenen LED-Farben und -Blinkmuster für Dein Modell.

Prävention: So vermeidest Du die häufigsten Balkonkraftwerk-Probleme

Mit der richtigen Auswahl beim Kauf, fachgerechter Installation und regelmäßiger Wartung kannst Du die meisten Probleme von vornherein verhindern. Investiere lieber etwas mehr in Qualität, als später teure Reparaturen zu bezahlen.

Qualitätskriterien beim Kauf beachten:

  • zertifizierte Komponenten (CE, VDE, TÜV)
  • seriöser Hersteller mit gutem Ruf und etabliertem Service
  • umfassende Garantiebedingungen (mindestens 10 Jahre auf Module, 5 Jahre auf Wechselrichter)
  • hochwertige Verkabelung mit UV-Schutz
  • stabile Halterungen aus korrosionsbeständigen Materialien

Auch wenn Balkonkraftwerke als “Plug & Play” beworben werden, zeigt die Praxis: Fachgerecht installierte Anlagen haben deutlich weniger Probleme. Eine ExpertIn kostet 200-400 Euro, kann aber teure Schäden verhindern.

Optimaler Standort reduziert Probleme:

  • Südausrichtung mit möglichst wenig Verschattung
  • geschützte Position vor extremen Wetterbedingungen
  • ausreichende Belüftung des Wechselrichters
  • einfache Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten
  • stabile Befestigungsmöglichkeiten am Balkon oder der Fassade

Monitoring und Früherkennung: Nutze die Monitoring-App Deines Wechselrichters aktiv. Richte Benachrichtigungen für ungewöhnliche Ereignisse ein und überprüfe regelmäßig die Ertragsdaten. Viele Probleme kündigen sich durch langsam sinkende Erträge an.

Versicherung optimieren: Informiere Deine Hausrat- und Haftpflichtversicherung über das Balkonkraftwerk. Viele Versicherer bieten spezielle Tarife für erneuerbare Energien an, die auch Ertragsausfälle abdecken.

Fazit

Balkonkraftwerke können verschiedene Probleme entwickeln, aber die meisten sind vermeidbar oder einfach lösbar. Wechselrichter-Defekte, Verkabelungsprobleme und Verschmutzung verursachen etwa 85 % aller Störungen. Mit regelmäßiger Wartung, qualitativ hochwertigen Komponenten und fachgerechter Installation reduzierst Du das Problemrisiko erheblich.

Trotz gelegentlicher Probleme bleibt die Wirtschaftlichkeit von Balkonkraftwerken überzeugend. Die jährlichen Wartungskosten von 50-100 Euro stehen Stromeinsparungen von 200-400 Euro gegenüber. Mit den richtigen präventiven Maßnahmen wirst Du lange Freude an Deiner Mini-PV-Anlage haben und einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten.

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Dominik BroßellRedakteur

Als euer Experte für Solartechnik und erneuerbare Energien informiert euch Dominik regelmäßig im priwatt-Blog über alles Wissenswerte rund um die Themen Balkonkraftwerk, PV, Stromtarife, Batteriespeicher und Co.

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