PV-Zaun: Deine unterschätzte Solar-Alternative

Dominik Broßell
Redakteur

Ein PV-Zaun nutzt bifaziale Module, die Sonnenlicht von beiden Seiten einfangen, und punktet genau dort, wo herkömmliche Solaranlagen schwächeln: im Winter, bei tiefem Sonnenstand und in verschatteten Gärten. Dieser Ratgeber zeigt Dir, warum Photovoltaik Zäune oft die cleverere Lösung für Deine Energiegewinnung sind, welche Technologien es gibt und wie Du das Maximum aus Deinem Grundstück herausholst.
Warum Photovoltaik-Zäune unterschätzt werden
Viele HausbesitzerInnen denken bei Solarenergie automatisch an Module auf dem Dach. Der Solarzaun fristet dagegen ein Schattendasein – völlig zu Unrecht. Die Skepsis gegenüber vertikaler Photovoltaik basiert meist auf Halbwissen und veralteten Annahmen.
Die fünf häufigsten Vorurteile gegen PV-Zäune:
- Vertikale Ausrichtung wird fälschlicherweise als ineffizient betrachtet, dabei optimiert sie den Ertrag bei tiefem Sonnenstand erheblich.
- Die Wintervorteile werden in Vergleichen schlicht ignoriert, obwohl sie für die Energieversorgung entscheidend sind.
- Der natürliche Verschattungsschutz durch die erhöhte Montage wird unterschätzt.
- Der Doppelnutzen als Zaun und Stromerzeuger, inklusive Sichtschutz und Windschutz, fließt selten in die Bewertung ein.
Die entscheidenden Erfolgsfaktoren eines PV-Zauns
Wie viel Strom Dein Solarzaun tatsächlich liefert, hängt von mehreren Faktoren ab. Anders als bei einer Dachanlage kannst Du beim Gartenzaun viele dieser Parameter selbst beeinflussen.
Bifaziale PV-Module spielen die Hauptrolle: Sie nutzen nicht nur direktes Sonnenlicht, sondern auch die Reflexion vom Boden. Heller Untergrund wie Kies, Sand oder im Winter Schnee verstärkt diesen Effekt erheblich.
Die Ost-West-Ausrichtung sorgt für eine gleichmäßige Stromproduktion über den Tag verteilt. perfekt für den Eigenverbrauch. Die Höhe der Montage und der Bodenabstand bestimmen, wie gut die Module vor Verschattung durch Vegetation oder Nachbarbebauung geschützt sind. U
nd nicht zuletzt: Ein Solarzaun lässt sich elegant in bestehende Gartenpläne integrieren, ohne zusätzlichen Platz zu beanspruchen. Dein Zaun erfüllt seine ursprüngliche Funktion als Grundstücksbegrenzung und produziert nebenbei Solarstrom.
PV-Zaun-Technologien im Detail: Deine Optionen im Überblick
Der Markt für Photovoltaik-Zäune hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Heute stehen Dir verschiedene Systeme zur Verfügung, die sich in Design, Montage und Ausrichtung unterscheiden. Je nach Garten, Verbrauchsverhalten und ästhetischen Ansprüchen gibt es die passende Lösung.
1. Standard PV-Zaun mit Ost-West-Ausrichtung: Der Allrounder
Die klassische Variante setzt auf bifaziale Solarmodule in Ost-West-Ausrichtung. Das bedeutet: Eine Seite der Module fängt die Morgensonne ein, die andere die Abendsonne. Zusätzlich nutzen beide Seiten reflektiertes Licht vom Boden.
Diese Konfiguration liefert Dir Strom genau dann, wenn Du ihn typischerweise brauchst, morgens beim Frühstück und abends nach Feierabend. Die Mittagsspitze fällt zwar geringer aus als bei südausgerichteten Dachanlagen, dafür profitierst Du von einer gleichmäßigen Tagesverteilung.
Für diese Situationen ist der Ost-West-Zaun ideal:
- Grundstücke mit viel Verschattung zur Mittagszeit
- Haushalte mit hohem Morgen- und Abendverbrauch
- Gärten, in denen die Grundstücksgrenze Richtung Osten oder Westen verläuft
- Kombination mit einer bestehenden Dach PV Anlage
Warum dieser Typ so beliebt ist:
- Maximierung des Eigenverbrauchs durch bedarfsgerechte Produktion
- kein Wettbewerb mit der Mittagsproduktion der Dachanlage
- einfache Installation entlang bestehender Zaunlinien
- natürliche Integration ins Gartenkonzept
2. Süd-ausgerichteter PV-Zaun: Maximum zur Mittagszeit
Wenn Dein Grundstück eine Südseite ohne Verschattung bietet, kann ein südausgerichteter Solarzaun sinnvoll sein. Hier stehen die PV-Module so, dass sie die direkte Mittagssonne optimal einfangen.
Diese Variante erreicht höhere Spitzenleistungen bei direkter Sonneneinstrahlung und eignet sich besonders gut, wenn Du einen Stromspeicher nutzt. Der Speicher nimmt den Mittagsüberschuss auf und stellt ihn Dir abends zur Verfügung.
Wann lohnt sich die Süd-Ausrichtung?
- bei freier Südseite ohne Nachbarbebauung oder hohe Vegetation
- in Kombination mit einem Batteriespeicher
- wenn keine Dachanlage vorhanden ist und der Zaun die Hauptstromquelle darstellt
- bei hohem Strombedarf zur Mittagszeit (Homeoffice, Wärmepumpe)
3. Design-PV-Zaun: Ästhetik trifft Effizienz
Für repräsentative Grundstücke gibt es mittlerweile einen Premium Solarzaun mit hohem Designanspruch. Diese Systeme integrieren die Photovoltaik so elegant, dass sie auf den ersten Blick kaum als Solaranlage erkennbar sind.
Hochwertige Aluminium-Pfosten, rahmenlose Module und verschiedene Farboptionen ermöglichen eine Optik, die sich nahtlos in moderne Architektur einfügt. Die Investition ist höher, dafür gewinnst Du ein Zaunelement, das Sichtschutz, Stromerzeugung und zeitlose Gestaltung vereint.
Für wen eignet sich der Design-Zaun?
- HausbesitzerInnen mit hohem ästhetischen Anspruch
- moderne Neubauten mit durchdachtem Außenkonzept
- Vorgärten und repräsentative Grundstücksbereiche
- Situationen, in denen klassische Solarmodule optisch stören würden
Vergleich: Was bringt Dir ein PV-Zaun gegenüber Dach-PV?
Beide Systeme haben ihre Stärken und ergänzen sich ideal.
Vorteile des PV-Zauns:
- höherer Ertrag im Winter durch optimalen Einfallswinkel bei tiefem Sonnenstand
- besserer Schutz vor Verschattung durch Nachbargebäude und Vegetation
- keine Schneelast auf den Modulen
- Eigenverbrauch-Optimierung durch Morgen- und Abendproduktion
- Doppelnutzung als Zaun und Sichtschutz
- einfache Zugänglichkeit für Wartung und Reinigung
Vorteile der Dach PV Anlage:
- höhere Jahreserträge bei unverschatteter Südausrichtung
- etablierte Technik mit großer Auswahl an Anbietern
- keine Nutzung von Gartenfläche
- oft einfachere Genehmigungssituation
Warum PV-Zäune besonders im Winter punkten
Hier zeigt der PV-Zaun seine wahre Stärke: Während klassische Dachanlagen im Winter einbrechen, holt die vertikale Montage mehr aus der tief stehenden Sonne heraus.
Der physikalische Hintergrund ist simpel: Im Winter steht die Sonne in Deutschland selbst mittags nur etwa 15 bis 20 Grad über dem Horizont. Für eine flach geneigte Dachanlage bedeutet das einen ungünstigen Einfallswinkel. Der vertikale Zaun hingegen fängt diese flachen Strahlen nahezu optimal ein.
Bifaziale Module verstärken den Wintereffekt zusätzlich. Schneebedeckter Boden reflektiert bis zu 80 % des einfallenden Lichts und diese Reflexion trifft genau auf die Rückseite der Zaunmodule. In schneereichen Regionen kann der Winterertrag eines Solarzauns dadurch den einer vergleichbaren Dachanlage sogar übertreffen.
Weitere Wintervorteile:
- keine Schneelast auf den Modulen, die den Ertrag mindert
- kein Abrutschen von Schneemassen, das Gefahren verursacht
- Selbstreinigungseffekt durch Regen auf vertikalen Flächen
- höherer Eigenverbrauch in der dunklen Jahreszeit, wenn Strom am wertvollsten ist
Gerade in der Heizperiode, wenn viele Haushalte zusätzlich Wärmepumpen oder Infrarotheizungen nutzen, liefert der PV-Zaun zuverlässig Strom, genau dann, wenn die Energiekosten am höchsten sind.

Wie Standort und Ausrichtung Deinen Ertrag beeinflussen
Nicht jeder Garten ist gleich und genau deshalb lohnt sich eine genaue Analyse Deines Grundstücks vor der Installation.
Die optimale Ausrichtung hängt von Deinem Verbrauchsverhalten ab:
- Bist Du tagsüber zuhause? Dann kann eine Südkomponente sinnvoll sein.
- Arbeitest Du klassisch von 9 bis 17 Uhr? Dann maximiert Ost-West-Ausrichtung Deinen Eigenverbrauch.
- Nutzt Du eine Wärmepumpe? Dann zählt der Winterertrag besonders.
Einfluss der Nachbarbebauung: Ein großer Vorteil des Zauns ist seine Höhe über dem Boden. Während bodennahe Strukturen wie Hecken oder niedrige Mauern eine Dachanlage nicht beeinflussen, können sie bei PV-Zäunen die Module verschatten. Die erhöhte Montage auf stabilen Pfosten schützt vor genau diesem Problem.
Bodenbeschaffenheit und Reflexion: Heller Untergrund steigert den Ertrag bifazialer Module erheblich. Kies, heller Rasen oder im Winter Schnee reflektieren Sonnenlicht auf die Modulrückseite. Dunkler Boden wie Rindenmulch oder feuchte Erde absorbiert dagegen mehr Licht.
Eine professionelle Verschattungsanalyse zeigt Dir, wo auf Deinem Grundstück die besten Bedingungen herrschen und welche Ausrichtung den höchsten Ertrag verspricht.
Förderungen für Deinen PV-Zaun
Die gute Nachricht: PV-Zäune profitieren von denselben Fördermechanismen wie klassische Solaranlagen. Die vertikale Montage ist kein Ausschlusskriterium.
Aktuelle Fördermöglichkeiten:
- EEG-Vergütung: Auch Strom aus vertikalen PV-Anlagen wird vergütet, wenn Du ihn ins Netz einspeist.
- KfW-Förderung: Zinsgünstige Kredite für Photovoltaikanlagen gelten auch für Solarzäune.
- Regionale Programme: Viele Kommunen bieten eigene Zuschüsse für Solarenergie – frag bei Deiner Gemeinde nach.
Steuerliche Vorteile: Seit 2023 gilt für PV-Anlagen bis 30 kWp die Nullsteuer-Regelung. Das bedeutet: Keine Mehrwertsteuer auf den Kauf und keine Einkommensteuer auf den selbst genutzten Solarstrom. Auch Dein PV-Zaun profitiert davon. Die Kombination aus Förderung und eingesparten Stromkosten macht die Investition in einen Solarzaun wirtschaftlich attraktiv und Du gewinnst gleichzeitig einen hochwertigen Zaun für Dein Grundstück.
Beispielrechnung: So viel Strom liefern PV-Module am Zaun
Lass uns konkret werden: Was bringt ein typischer PV-Zaun in der Praxis?
Annahmen für die Rechnung:
- Zaunlänge: 20 Meter
- Bifaziale Module mit je 400 Wp
- Ost-West-Ausrichtung
- Standort: Mitteldeutschland
- Heller Untergrund (Kies/Rasen)
Bei dieser Konfiguration passen etwa 20 Module auf den Zaun, was einer Gesamtleistung von 8 kWp entspricht. Der erwartete Jahresertrag liegt bei etwa 5.500 bis 6.500 kWh, abhängig von Verschattung und Wetterbedingungen.
Saisonale Verteilung:
- Sommer (April-September): ca. 55-60 % des Jahresertrags
- Winter (Oktober-März): ca. 40-45 % des Jahresertrags
Im Vergleich: Eine klassische Dach PV Anlage produziert im Winter oft nur 25–30 % ihres Jahresertrags. Der PV-Zaun liefert also genau dann mehr, wenn Du ihn am dringendsten brauchst.
Auswirkung auf Deine Stromrechnung:
Bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh und einem Eigenverbrauchsanteil von 40 % sparst Du jährlich etwa 770 bis 910 Euro an Stromkosten. Mit einem Speicher steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 60-70 %, was die Ersparnis auf über 1.300 Euro pro Jahr erhöhen kann.
Warum ein Stromspeicher Deinen PV-Zaun perfekt ergänzt
Die besondere Stärke des PV-Zauns wird mit einem Speicher zum echten Vorteil. Während die Mittagsproduktion einer Dachanlage oft ins Netz fließt, weil niemand zuhause ist, produziert der Zaun genau dann, wenn Du aufstehst oder nach Hause kommst.
Ein passend dimensionierter Speicher nimmt den Morgenüberschuss auf und stellt ihn für den Abend bereit. So nutzt Du noch mehr Deines selbst produzierten Stroms und minimierst den Netzbezug. Als Faustregel gilt: Pro kWp Zaunleistung etwa 1 kWh Speicherkapazität. Bei unserem Beispiel mit 8 kWp wäre ein Speicher mit 8-10 kWh ideal. Variable Stromtarife ermöglichen es, den Speicher nachts günstig aus dem Netz zu laden und tagsüber Deine Zaunproduktion optimal zu nutzen. Das maximiert Deine Unabhängigkeit und minimiert die Energiekosten.
Die Notstromfunktion moderner Speicher bietet zusätzliche Sicherheit: Bei Netzausfall versorgt Dich Dein Zaunkraftwerk weiter mit Strom, eine beruhigende Ergänzung für Deine Energieversorgung.

Fazit
Der PV-Zaun ist weit mehr als eine Alternative zur Dachanlage, er ist die clevere Ergänzung für alle, die ihre Solarenergie-Nutzung optimieren wollen. Die vertikale Montage bietet handfeste Vorteile: besserer Winterertrag durch den optimalen Einfallswinkel bei tiefem Sonnenstand, Schutz vor Bodenverschattung und Nachbarbebauung sowie eine Stromproduktion, die sich am tatsächlichen Verbrauchsmuster orientiert. Dazu kommt der Doppelnutzen als Zaun und Sichtschutz, eine Lösung, die keinen zusätzlichen Platz auf Deinem Grundstück beansprucht.
Die Zukunft der Photovoltaik ist nicht nur auf dem Dach zu finden. Solarzäune zeigen, dass clevere Energiegewinnung dort stattfindet, wo bisher ungenutztes Potenzial schlummert, an der Grenze Deines Grundstücks. Zeit, umzudenken und den Gartenzaun in Deinem Garten als das zu sehen, was er sein kann: Deine persönliche Energiequelle.

Als euer Experte für Solartechnik und erneuerbare Energien informiert euch Dominik regelmäßig im priwatt-Blog über alles Wissenswerte rund um die Themen Balkonkraftwerk, PV, Stromtarife, Batteriespeicher und Co.
