Heizen mit Strom: Lohnt sich das wirklich?

Sandra Adam
Redakteurin

Heizen mit Strom lohnt sich dann, wenn Du den Strom selbst erzeugst, und zwar mit einer Photovoltaik Anlage auf Deinem Dach. Während Netzstrom mit über 30 Cent pro Kilowattstunde Deine Heizkosten in die Höhe treibt, kostet selbst produzierter Solarstrom nur etwa 8 bis 11 Cent. In Kombination mit einer Wärmepumpe entstehen so effektive Heizkosten von gerade mal 2 bis 4 Cent pro kWh Wärme. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Dieser Ratgeber zeigt Dir, welche Heizungsarten mit PV-Strom funktionieren, wo die Grenzen liegen und für wen sich elektrisches Heizen wirklich rechnet.
Warum Heizen mit Strom oft als ineffizient gilt
Viele HausbesitzerInnen winken ab, wenn es ums Heizen mit Strom geht. Der Grund liegt auf der Hand: Netzstrom ist teuer. Bei Preisen von 25 bis 35 Cent pro kWh erscheint eine Elektroheizung als Geldvernichtungsmaschine, vor allem im Vergleich zu Gas (10-12 ct/kWh) oder Heizöl (9-10 ct/kWh).
Entscheidend ist außerdem, welches Heizen mit Strom Du betrachtest. Eine Wärmepumpe arbeitet mit einem COP von 3 bis 5, macht also aus einer kWh Strom bis zu fünf kWh Wärme. Ein Heizlüfter oder Konvektor dagegen hat einen COP von exakt 1,0, jede kWh Strom wird zu genau einer kWh Wärme. Das ist ein gewaltiger Unterschied bei den Betriebskosten.
Fünf Hauptgründe für das schlechte Image von Stromheizungen:
- Hoher Netzstrompreis: Mit 30+ Cent pro kWh ist reiner Netzstrom schlicht zu teuer zum Heizen
- Schlechter Wirkungsgrad älterer Systeme: Nachtspeicher und Direktheizungen haben nur COP = 1. Nachtspeicherheizungen speichern Wärme in speziellen Materialien und geben diese zeitversetzt ab, was eine Planung des Heizbedarfs erfordert.
- Unzureichende Dämmung: Viele Bestandsbauten verlieren zu viel Wärme, was den Stromverbrauch explodieren lässt
- Geringer Eigenverbrauchsanteil: Ohne PV-Anlage oder Speicher nutzt Du kaum günstigen Strom
- Fossiler Strommix: Der CO₂-Fußabdruck von Netzstrom war lange problematisch, das ändert sich aber
Die entscheidenden Faktoren für eine wirtschaftliche Heizung mit Strom
Ob sich eine Stromheizung für Dich rechnet, hängt von fünf zentralen Faktoren ab:
Stromkosten, der wichtigste Hebel: Netzstrom kostet Dich aktuell etwa 25 bis 31 Cent pro kWh. Eigener Solarstrom aus einer Photovoltaikanlage liegt dagegen bei nur 8 bis 11 Cent – ohne Speicher. Selbst mit Batteriespeicher bleibst Du deutlich unter dem Netzpreis. Spezielle Wärmepumpentarife bieten immerhin noch 19 bis 25 Cent pro kWh.
Effizienz des Heizsystems: Eine moderne Luft Wasser Wärmepumpe erreicht COP-Werte von 4,0 bis 4,2 unter Normbedingungen. Das bedeutet: Aus einer kWh Strom machst Du vier kWh Wärme. Erdwärmepumpen schaffen sogar COP-Werte über 5. Je höher der COP, desto günstiger Deine Heizkosten.
Wärmebedarf und Dämmstandard: Ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung (Vorlauftemperatur 35 °C) ermöglicht hohe COP-Werte. Ein schlecht gedämmter Altbau mit alten Heizkörpern (Vorlauftemperatur 60-70 °C) drückt den COP auf 2 oder weniger, und verdoppelt damit Deine Stromkosten.
Eigenverbrauchsanteil: Je mehr Solarstrom Du direkt zum Heizen nutzt, desto günstiger wird es. Im Winter liefert Deine PV-Anlage allerdings deutlich weniger Energie als im Sommer, genau dann, wenn Du am meisten heizen musst.
Investitionskosten und Förderungen: Wärmepumpen kosten zwischen 15.000 und 35.000 Euro. Förderprogramme wie BAFA können 30 bis 70 Prozent der Kosten übernehmen. Das verkürzt die Amortisationszeit erheblich.

Elektrische Heizsysteme im Detail: Möglichkeiten von der Wärmepumpe bis zum Nachtspeicher
Wärmepumpen: Die effizienteste Art, mit Strom zu heizen
Die Wärmepumpe ist der klare Champion unter den Stromheizungen. Sie nutzt elektrische Energie, um Wärme aus der Umgebung – Luft, Erde oder Grundwasser – auf ein höheres Temperaturniveau zu pumpen. Das Geniale daran: Du bekommst mehr Wärme heraus, als Du an Strom hineinsteckst.
So funktioniert die Wärmeerzeugung: Bei einem COP von 4 bedeutet eine kWh Strom, dass Du zusätzlich drei kWh Umweltwärme nutzt, insgesamt also vier kWh Heizwärme. Diese kostenlose Energie aus der Luft oder dem Erdreich macht die Wärmepumpe so effizient.
COP-Werte im Überblick:
- Luft Wasser Wärmepumpe bei A7/W35: COP 4,0-4,2
- Erdwärmepumpe: COP 4,4-5,5
- Jahresarbeitszahl (JAZ) real: Luft-Wasser 2,5-3,5 im Altbau, Erdwärme 3,5-4,5
Rechne mit 15.000 bis 35.000 Euro für die komplette Installation – je nach Systemtyp (Luft-Wasser vs. Erdwärme), Gebäudezustand und nötigen Anpassungen am Heizsystem.
Kombination mit Photovoltaik: Hier wird es richtig spannend. Wenn Deine PV-Anlage tagsüber Strom erzeugt und die Wärmepumpe diesen direkt nutzt, heizst Du mit Gestehungskosten von etwa 10 Cent pro kWh Strom. Bei COP = 4 ergeben sich effektive Heizkosten von nur 2,5 Cent pro kWh Wärme. Das unterbietet jede Gasheizung locker.
Ideal für Neubauten mit niedriger Vorlauftemperatur und gut sanierte Altbauten. In schlecht gedämmten Gebäuden mit alten Heizkörpern sinkt der COP deutlich, dann wird die Rechnung weniger attraktiv.
Klassische Stromheizungen: Nachtspeicher und Direktheizungen
Nachtspeicherheizungen waren in den 1960er und 70er Jahren populär. Das Prinzip: Während günstiger Nachtstunden wird Wärme erzeugt und in Speichersteinen gespeichert. Tagsüber gibt das Gerät diese Wärme langsam an den Raum ab.
Nachtstromtarife sind kaum noch günstiger als normaler Haushaltsstrom. Die Differenz liegt oft nur bei wenigen Cent, zu wenig, um die grundsätzliche Ineffizienz (COP = 1) auszugleichen. Aktuelle Nachtstromtarife liegen bei etwa 19 bis 25 Cent pro kWh.
Elektrische Direktheizungen wie Elektroheizkörper, Konvektoren oder Heizlüfter wandeln Strom sofort in Wärme um. Vorteil: niedrige Anschaffung, einfache Installation, schnelle Regelbarkeit. Nachteil: COP = 1, also hoher Stromverbrauch bei reinem Netzbetrieb.
Als alleinige Heizung sind diese Geräte mit Netzstrom schlicht unwirtschaftlich. Mit eigenem Solarstrom sieht die Rechnung aber anders aus, dazu mehr im Vergleich.
Infrarotheizungen: Moderne Alternative für bestimmte Anwendungen
Infrarotheizungen funktionieren anders als klassische Heizkörper: Statt die Luft zu erwärmen, strahlen sie Wärme direkt auf Personen und Gegenstände ab, ähnlich wie Sonnenstrahlen. Die Strahlungswärme wird als angenehmer empfunden, und Du kannst die Raumtemperatur oft 1-2 °C niedriger einstellen bei gleichem Komfort.
Ein Infrarot-Panel kostet zwischen 200 und 1.000 Euro, abhängig von Leistung, Design und Ausstattung. Die Installation ist simpel, einfach an die Wand montieren und einstecken. Infrarotheizungen eignen sich vor allem als Ergänzung zur Hauptheizung, im Badezimmer, in selten genutzten Räumen oder während der Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst. Als alleinige Heizlösung für ein ganzes Haus sind sie selten wirtschaftlich.
Kombination mit Photovoltaik: Tagsüber, wenn Deine PV-Anlage Überschuss produziert, kannst Du Infrarotpaneele sinnvoll betreiben. Die Herausforderung: Im Winter produziert die Anlage am wenigsten Strom, genau dann, wenn Du am meisten heizen musst.
Heizen mit Strom vs. andere Heizsysteme: Unser Vergleich
Hier kommt der entscheidende Punkt: Eigener Solarstrom kostet Dich nur 8 bis 12 Cent pro Kilowattstunde, weniger als ein Drittel des Netzstrompreises. Das ändert die gesamte Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Wärmepumpe mit PV-Strom: Bei Gestehungskosten von 10 Cent und einem COP von 4 zahlst Du effektiv nur 2,5 Cent pro kWh Wärme. Keine Gasheizung, kein Ölkessel kann da mithalten.
Direktheizungen mit PV-Strom: Selbst ein Elektroheizkörper mit COP = 1 wird interessant, wenn der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage kommt. 10 Cent pro kWh Wärme sind immer noch günstiger als Gas.
Mit einer PV-Anlage entkoppelst Du Dich von schwankenden Gas- und Ölpreisen. Während fossile Energieträger durch CO₂-Bepreisung immer teurer werden, bleiben Deine Stromkosten stabil. Wenn Du Solar zum Heizen mit Strom nutzt, produzierst Du keine direkten Emissionen. Das ist nicht nur gut fürs Gewissen, sondern wird durch steigende CO₂-Preise auch finanziell immer attraktiver.
Realistische Kostenbeispiele aus der Praxis
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an: Ein Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche und einem Wärmebedarf von 18.000 kWh pro Jahr.
Wärmepumpe + PV-Anlage:
- Strombedarf bei COP 4: 4.500 kWh
- Bei 70 % Eigenverbrauch (3.150 kWh × 0,10 €): 315 €
- Rest aus Netz (1.350 kWh × 0,30 €): 405 €
- Jährliche Heizkosten: ca. 720 €
Infrarotheizung + PV bei 50% Eigenverbrauch:
- Strombedarf bei COP 1: 18.000 kWh
- Eigenverbrauch (9.000 kWh × 0,10 €): 900 €
- Rest aus Netz (9.000 kWh × 0,30 €): 2.700 €
- Jährliche Heizkosten: ca. 3.600 €
Gasheizung zum Vergleich:
- Wärmebedarf: 18.000 kWh
- Gaspreis 11 ct/kWh: 1.980 €
- Plus Wartung, plus steigende CO₂-Abgabe
- Jährliche Heizkosten: ca. 2.200-2.500 € (Tendenz steigend)
Bei optimaler Kombination von Wärmepumpe und PV-Anlage, mit hoher Förderung und guter Dämmung, rechnet sich die Investition in 8 bis 12 Jahren.
Wann sich elektrisches Heizen wirklich lohnt
Heizen mit Strom ist sinnvoll, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:
- Gut gedämmte Gebäude: Je niedriger Dein Wärmebedarf, desto weniger Strom brauchst Du – und desto besser die Wirtschaftlichkeit. Niedrige Vorlauftemperaturen (Fußbodenheizung) verbessern den COP der Wärmepumpe zusätzlich.
- Große PV-Anlage mit hohem Eigenverbrauchsanteil: Je mehr Solarstrom Du direkt nutzt, desto günstiger ist Heizen mit Strom. Ein Stromspeicher kann helfen, den Eigenverbrauch zu steigern.
- Als Ergänzung zur Hauptheizung: Infrarotpaneele im Badezimmer oder ein Elektroheizkörper im Home-Office können sinnvoll sein – vor allem, wenn Du dort ohnehin PV-Überschuss hast.
- Übergangszeiten: Im Frühjahr und Herbst liefert Deine PV-Anlage oft mehr Strom als nötig, während der Heizbedarf moderat ist. Perfekte Bedingungen für Heizen mit Strom.
- Gebiete ohne Gasanschluss: Wenn Gas keine Option ist und Heizöl teuer, wird die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik zur attraktivsten Alternative.
Kritische Bewertung: Grenzen von E-Heizung
Reine Stromheizungen bleiben meist unwirtschaftlich, denn Nachtspeicher oder Direktheizungen mit COP = 1 verbrauchen zu viel Strom. Selbst mit PV-Eigenstrom sind die Kosten höher als bei einer Wärmepumpe. Für Neuanschaffungen macht das keinen Sinn.
PV reicht im Winter oft nicht und genau dann, wenn Du am meisten heizen musst (Dezember bis Februar), liefert Deine Photovoltaikanlage am wenigsten Strom. Der Eigenverbrauchsanteil sinkt auf vielleicht 20-30 Prozent, den Rest musst Du teuer aus dem Netz beziehen.
Saisonale Speicherung ist (noch) zu teuer. Theoretisch könntest Du Sommerstrom für den Winter speichern. Praktisch sind solche Speicherlösungen extrem teuer und für Privathaushalte kaum wirtschaftlich.
Netzbelastung in der dunklen Jahreszeit: Wenn alle gleichzeitig mit Strom heizen und wenig PV-Strom verfügbar ist, steigt die Netzlast. Das kann langfristig zu höheren Netzentgelten führen.
Fazit: Heizen mit Strom wird mit Photovoltaik Anlagen konkurrenzfähig
Elektrisches Heizen mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage ist für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer keine Zukunftsmusik mehr, es rechnet sich heute schon, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Die Wärmepumpe ist der klare Sieger bei Neuanschaffungen. Mit COP-Werten von 3 bis 5 und PV-Eigenstrom erreichst Du Heizkosten von 2 bis 4 Cent pro kWh Wärme. Das unterbietet jede fossile Heizung – und macht Dich unabhängig von steigenden Gas- und Ölpreisen.
Ältere Elektroheizungen wie Nachtspeicher können mit einer PV-Anlage weiterbetrieben werden, wenn Du die Steuerung anpasst. Wirtschaftlich optimal ist das nicht, aber besser als reiner Netzbetrieb allemal. Ein Austausch gegen eine Wärmepumpe bleibt langfristig die bessere Lösung.
Infrarotheizungen eignen sich als Ergänzung im Badezimmer, in Einzelräumen oder während der Übergangszeiten. Als alleinige Heizung für ein ganzes Haus sind sie nur in sehr gut gedämmten Neubauten mit großer PV Anlage wirtschaftlich.
Empfehlung nach Gebäudetyp:
- Neubau: Wärmepumpe + PV Anlage + optional Speicher – die effizienteste Kombination
- Sanierter Altbau: Wärmepumpe prüfen, Dämmung verbessern, PV nachrüsten
- Unsanierter Altbau: Erst dämmen, dann Heizsystem wechseln – ohne gute Dämmung lohnt sich kaum ein System
- Vorhandene Stromheizung: PV-Anlage nachrüsten und intelligente Steuerung einbauen
Die Technik entwickelt sich rasant weiter. PV-Anlagen werden günstiger, Wärmepumpen effizienter, Speicher preiswerter. Was heute schon wirtschaftlich ist, wird in den nächsten Jahren noch attraktiver zum Heizen mit Strom. Und mit steigenden CO₂-Preisen auf fossile Energieträger verschiebt sich der Vergleich weiter zugunsten von Strom aus Photovoltaik.
