Anschluss Balkonkraftwerk: falsche Phase angeschlossen und jetzt?

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Dominik Broßell

Redakteur

BalkonkraftwerkLesezeit 8 Minuten
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Du fragst Dich, ob Dein Balkonkraftwerk an der “falschen” Phase angeschlossen ist und ob das Probleme verursacht? Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen gibt es bei modernen Stromzählern keine “falsche” Phase. Dein Wechselrichter synchronisiert sich automatisch mit dem Netz und saldierende Stromzähler verrechnen Einspeisung und Verbrauch über alle drei Phasen hinweg.

Trotzdem herrscht bei vielen AnwenderInnen Verwirrung über dieses Thema. Der Grund liegt oft in Missverständnissen über die Funktionsweise des Stromnetzes und veralteten Informationen zu älteren Zählertypen. Dieser Artikel erklärt Dir, wann die Phase tatsächlich eine Rolle spielt und wann Du Dir keine Sorgen machen musst.

Was passiert, wenn Du Dein Balkonkraftwerk an die “falsche” Phase anschließt?

Moderne saldierende Stromzähler machen das Thema “falsche Phase” praktisch überflüssig. Diese Zähler verrechnen automatisch den Stromverbrauch und die Einspeisung über alle drei Phasen (L1, L2, L3) hinweg. Das bedeutet: Egal an welche Phase Du Dein Balkonkraftwerk anschließt, der erzeugte Solarstrom wird im gesamten Hausstromkreis genutzt.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht dies: Wenn Deine Mini-PV-Anlage über Phase L1 einspeist und 300 Watt erzeugt, während gleichzeitig auf Phase L2 der Kühlschrank 100 Watt und auf Phase L3 die Waschmaschine 200 Watt verbrauchen, zeigt Dein Stromzähler einen Netto-Verbrauch von null an. Die Saldierung funktioniert automatisch.

Bei älteren, nicht-saldierenden Zählern (hauptsächlich alte Ferraris-Zähler) kann die Phasenwahl dagegen tatsächlich Auswirkungen haben. Hier wird nur der Verbrauch auf derselben Phase wie die Einspeisung direkt verrechnet, während Verbrauch auf anderen Phasen weiterhin vom Netz bezogen wird.

Erkennung Deines Zählertyps

Die meisten in Deutschland installierten Stromzähler sind heute saldierende digitale Zähler. Du erkennst sie an:

  • digitaler Anzeige statt analoger Scheibe
  • Modellbezeichnungen, die auf “saldierend” oder “bidirektional” hinweisen
  • Einbau nach 2010 (in vielen Regionen)

Alte Ferraris-Zähler haben eine drehende Metallscheibe und wurden größtenteils durch moderne Zähler ersetzt.

Warum die Angst vor der falschen Phase meist unbegründet ist

Das deutsche Stromnetz arbeitet mit einem Drehstromsystem aus drei Phasen, die jeweils um 120 Grad phasenverschoben sind. Alle Haushaltsgeräte in Deinem Haus sind an diese drei Phasen angeschlossen, unabhängig davon, an welchem Kabel sie hängen. Der Strom findet immer den Weg zum nächstgelegenen Verbraucher, egal welche Phase Dein Balkonkraftwerk nutzt.

Viele Leute machen sich unnötig Gedanken, weil sie denken, der Solarstrom ihrer Anlage würde nur die Geräte auf derselben Phase versorgen können. Das ist ein weit verbreiteter Mythos. In Wahrheit fließt der Strom im gesamten Hausnetz und wird dort verbraucht, wo gerade Energie benötigt wird.

Ein weiterer Grund für die Verwirrung liegt in der unterschiedlichen Verwendung des Begriffs “Phase” in verschiedenen Bereichen. Während Elektriker damit die drei Außenleiter L1, L2 und L3 meinen, sprechen Laien oft von der “Phase” ihrer Steckdose, ohne zu wissen, dass in einem Haushalt normalerweise alle drei Phasen vorhanden sind.

Wie saldierende Stromzähler funktionieren

Saldierende Stromzähler messen kontinuierlich sowohl die Einspeisung als auch den Verbrauch auf allen drei Phasen. Dabei werden positive und negative Werte gegeneinander verrechnet:

  • Phase L1: Dein BKW speist 400 Watt ein
  • Phase L2: Dein Fernseher verbraucht 150 Watt
  • Phase L3: Deine Spülmaschine verbraucht 200 Watt

Ergebnis: Der Zähler zeigt einen Überschuss von 50 Watt an, die ins öffentliche Netz fließen.

Diese Saldierung erfolgt in Echtzeit, sodass Du von Deinem Balkonkraftwerk optimal profitierst, unabhängig davon, über welche Steckdose Du einspeist.

Die drei Phasen im deutschen Stromnetz erklärt

Das deutsche Stromnetz basiert auf einem Drehstromsystem mit drei Phasen (L1, L2, L3), einem Nullleiter (N) und der Erdung (PE). Diese drei Phasen sind um 120 Grad zueinander phasenverschoben, was eine gleichmäßige und effiziente Stromversorgung ermöglicht.

In Deinem Haus sind die verschiedenen Stromkreise auf diese drei Phasen verteilt. Dabei versucht der Elektriker bei der Installation, eine möglichst gleichmäßige Verteilung zu erreichen, damit keine einzelne Phase überlastet wird. Trotzdem entstehen natürliche Ungleichgewichte (Phasenschieflast), die völlig normal und unbedenklich sind.

Typische Geräte auf den verschiedenen Phasen

Die Verteilung Deiner Haushaltsgeräte auf die verschiedenen Phasen folgt meist einem bestimmten Muster:

Phase L1:

  • Küchensteckdosen (Kühlschrank, Kaffeemaschine)
  • Waschküche oder Hauswirtschaftsraum

Phase L2:

  • Wohnzimmersteckdosen (Fernseher, Stereoanlage)
  • Kinderzimmer oder Arbeitszimmer

Phase L3:

  • Schlafzimmersteckdosen
  • Beleuchtung (teilweise)

Größere Geräte wie Elektroherde oder Durchlauferhitzer werden oft dreiphasig angeschlossen, nutzen also alle drei Phasen gleichzeitig. Dein Balkonkraftwerk mit Schuko-Stecker nutzt dagegen nur eine Phase.

Wann die Phase doch wichtig wird: Alte Stromzähler und Sonderfälle

Bei älteren, nicht-saldierenden Stromzählern kann die Phasenwahl durchaus einen Unterschied machen. Diese Zähler verrechnen Einspeisung und Verbrauch nur auf derselben Phase miteinander. Strom, der auf einer anderen Phase als dem Verbrauch eingespeist wird, läuft “am Zähler vorbei” und wird nicht optimal genutzt.

Ein Beispiel mit einem alten Zähler:

  • Dein Balkonkraftwerk hängt an Phase L1 und erzeugt 300 Watt
  • Dein Stromverbrauch findet hauptsächlich auf Phase L2 und L3 statt
  • Der Zähler erkennt die 300 Watt Einspeisung auf L1, aber registriert trotzdem Verbrauch aus dem Netz für L2 und L3

In diesem Fall würdest Du weniger von Deinem selbst erzeugten Solarstrom profitieren.

So findest Du die richtige Phase bei einem alten Zähler

Falls Du einen alten Zähler hast, lohnt es sich, die Phase mit dem höchsten Verbrauch zu identifizieren:

  1. Analysiere Deine Stromkreise: Schau Dir den Schaltkasten an. Sicherungen für Küche, Wohnzimmer und andere Bereiche mit hohem Stromverbrauch zeigen Dir, wo der meiste Strom fließt.
  2. Beobachte Deine Geräte: Steckdosen in der Küche (Kühlschrank, Kaffeemaschine, Mikrowelle) und im Wohnzimmer (Fernseher, Computer) verbrauchen meist am meisten Energie.
  3. Miss mit einem Phasenprüfer: Ein Elektriker kann Dir dabei helfen, die Phasenverteilung in Deinem Haus zu ermitteln.
  4. Teste verschiedene Steckdosen: Schließe Dein Balkonkraftwerk probeweise an verschiedenen Steckdosen an und beobachte über einige Tage, wie sich Dein Stromverbrauch verändert.

Einphasige vs. dreiphasige Balkonkraftwerke: Vor- und Nachteile

Die meisten Balkonkraftwerke speisen einphasig ein, da sie mit einem normalen Schukostecker an eine gewöhnliche Steckdose angeschlossen werden. Das ist völlig ausreichend und funktioniert bei modernen Zählern problemlos. Es gibt aber auch dreiphasige Wechselrichter für größere Solaranlagen.

Vorteile einphasiger Anschluss:

  • einfache Installation über normale Steckdose
  • keine zusätzlichen elektrischen Arbeiten nötig
  • geringere Anschaffungskosten
  • Flexibilität beim Standortwechsel

Vorteile dreiphasiger Anschluss:

  • gleichmäßige Verteilung der Einspeisung auf alle Phasen
  • theoretisch bessere Netzstabilität bei größeren Anlagen
  • optimal bei alten, nicht-saldierenden Zählern

Für die meisten Mini-PV-Anlagen bis 600 oder 800 Watt ist ein einphasiger Anschluss völlig ausreichend und sinnvoller.

Praktische Anleitung: Dein Balkonkraftwerk richtig anschließen

Der Anschluss Deines Balkonkraftwerks ist dank des Solarpakets I deutlich einfacher geworden. Du kannst offiziell einen normalen Schukostecker verwenden und das Balkonkraftwerk an jede beliebige Steckdose anschließen.

Schritt-für-Schritt Anleitung:

  1. Zählertyp identifizieren: Prüfe, ob Du einen modernen saldierenden Zähler hast (sehr wahrscheinlich bei Zählern ab 2010).
  2. Geeignete Steckdose wählen: Nutze eine Außensteckdose oder eine Steckdose in der Nähe des geplanten Aufstellorts.
  3. Sicherungen prüfen: Stelle sicher, dass der gewählte Stromkreis nicht bereits durch andere Geräte stark belastet ist.
  4. Wechselrichter anschließen: Verbinde die Solarpanels mit dem Wechselrichter und stecke diesen in die Steckdose.
  5. System testen: Beobachte Deinen Stromzähler und prüfe, ob die Einspeisung korrekt funktioniert.

Bei modernen Zählern ist die Phasenwahl unkritisch. Wähle einfach die Steckdose, die am praktischsten für Deine Installation ist.

Häufige Fehler beim Anschluss vermeiden

Überlastung vermeiden: Schließe Dein Balkonkraftwerk nicht an einen Stromkreis an, der bereits durch leistungsstarke Geräte stark belastet ist. Die meisten Haushalts-Sicherungen sind für 16 Ampere ausgelegt.

Qualität des Wechselrichters: Verwende nur Wechselrichter mit VDE-Zertifizierung. Diese sorgen für die korrekte Phasensynchronisation und Netzstabilität.

Realistische Erwartungen: Dein Solarstrom fließt dorthin, wo gerade Verbrauch ist. Du kannst nicht steuern, welche Geräte damit betrieben werden.

Anmeldung nicht vergessen: Auch wenn die Installation einfacher geworden ist, musst Du Dein Balkonkraftwerk trotzdem beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister anmelden.

Was tun, wenn Dein Balkonkraftwerk bereits an der “falschen” Phase angeschlossen ist?

Falls Du Dein Balkonkraftwerk bereits installiert hast und Dir Sorgen über die Phasenwahl machst, überprüfe zunächst den tatsächlichen Einfluss auf Deinen Stromverbrauch.

Einfache Überprüfung:

  • notiere Dir Deinen Zählerstand vor der Installation
  • miss nach 2-3 Wochen Betrieb Deinen Verbrauch
  • vergleiche mit dem Vorjahr oder vergleichbaren Zeiträumen

Bei modernen Zählern wirst Du keinen Unterschied feststellen, egal an welcher Phase Dein Balkonkraftwerk angeschlossen ist. Bei alten Zählern kannst Du durch einen Wechsel der Steckdose möglicherweise etwas Geld sparen, aber der Aufwand ist meist größer als der Nutzen.

Kosten-Nutzen-Analyse:

  • Potenzielle jährliche Ersparnis bei altem Zähler: 20-50 Euro
  • Kosten für Elektriker oder neue Steckdose: 100-300 Euro
  • Aufwand für Ummontage und Tests: mehrere Stunden

In den meisten Fällen lohnt sich eine nachträgliche Änderung nicht. Konzentriere Dich lieber darauf, Deinen Stromverbrauch zu optimieren und mehr Solarstrom direkt zu nutzen.

Fazit: Häufig ist es egal, an welche Phase Dein Balkonkraftwerk angeschlossen ist

Die “falsche Phase” ist bei modernen Balkonkraftwerken kein Problem. Dank saldierender Stromzähler und automatischer Phasensynchronisation durch den Wechselrichter spielt es keine Rolle, an welche Phase Du Dein Balkonkraftwerk anschließt. Der erzeugte Solarstrom wird im gesamten Haus genutzt und optimal verrechnet.

Nur bei sehr alten Ferraris-Zählern kann die Phasenwahl einen kleinen Unterschied machen. Aber auch hier ist der Aufwand für eine Optimierung meist größer als der mögliche Nutzen. Statt Dir über die Phase Gedanken zu machen, kannst Du Dich darauf konzentrieren, Dein Balkonkraftwerk optimal zu nutzen und Deinen Eigenverbrauch zu steigern.

Das Wichtigste: Lass Dich nicht von der Phasenfrage verunsichern. Moderne Technik macht vieles einfacher, als es auf den ersten Blick scheint. Dein Balkonkraftwerk wird Dir unabhängig von der gewählten Phase dabei helfen, Deine Stromkosten zu senken und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

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Dominik BroßellRedakteur

Als euer Experte für Solartechnik und erneuerbare Energien informiert euch Dominik regelmäßig im priwatt-Blog über alles Wissenswerte rund um die Themen Balkonkraftwerk, PV, Stromtarife, Batteriespeicher und Co.

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